Pyreg-Anlage

Besuch des ersten Kompost-Symposiums 2012 in Hunsrück

Am Mittag des 1. Oktobers folgte eine kleine Delegation von Wendepunktzukünftlern und Projektpartner im BMBF-Forschungsprojekt ClimaCarbo der Einladung von Helmut Gerber zum ersten Kompostsymposium in Hunsrück, dem Sitz der Firma Pyreg Unternehmen Klimaschutz.

Pyreg vertreibt kleine Reaktoren, groß wie ein Schiffscontainer, die Biomasse bei karbonisiert wird, sprich in Pflanzenkohle verwandelt wird. Die bei ca. 800 ° C freigesetzten Gase (Wasserstoff- Sauerstoffverbindungen etc.) werden in einem nachgeschalteten Verfahren bei ca. 1250 ° C komplett verbrannt. Die Wärme wird im Karbonisierungsverfahren genutzt, wodurch sich der Reaktor nach einer anfänglichen Anheizung selbst in Gang hält.

Interessant ist auch, dass keinerlei toxische Reststoffe, wie z.B. Dioxine, emittieren noch in der Kohle wiedergefunden werden. So fern in der Biomasse vorhanden, wie z.B. beim Dioxin-belasteten Grünschnitt aus den Überschwemmungsgebieten der Elbe im Wendland, werden diese im Karbonisierungsvorgang aufgeschlüsselz und alle Bestandteile im zweiten Schritt vollständig verbrannt, wie es scheint. Das ERDE Institut, ebenfalls ansässig in Gartow und direkter Partner vom Verein Wendepunktzukunft. e.V., plant derzeit ein weiteres Forschungsprojekt, in dem die Nutzung dieser Technologie bei den eben genannten Dioxin-belasteten Grünschnitten des Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue untersucht werden soll.

Am Abend des 2. Oktobers fand eine Projektbesprechung mit den ClimaCarbo ProjektteilnehmerInnen statt, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Biogas Gartow GmbH, sowie der Firma Pyreg. Katja Wiedner, Projektleitung seitens der MLU Halle-Wittenberg präsentierte die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse der ersten Untersuchungsanordnung, welche in der Vegetationsperiode Frühjahr – Herbst 2012 aufgesetzt und nach verschiedensten Faktoren untersucht wurde. In der Versuchsanordnung wurden sowohl die Bodenwerte, Emissionen, wie auch Wachstumsverhalten der Indikatorpflanze (in diesem Fall Mais) unter verschiedenen Versuchsbedingungen untersucht: synthetische Düngemittel-, Biogasgärrest-, Kompost- und Pflanzenkohleeinsatz wurden variiert und zum Vergleich in mehrfachen Wiederholung angelegt. Die Ergebnisse werden in Kürze von Prof. Bruno Glaser, Katja Wiedner, Sebastian Seelig et al. publiziert und hier zur Verfügung gestellt. Im nächsten Frühjahr 2013 wird die nächste Versuchsanordnung angesetzt. Das Projekt läuft insgesamt drei Jahre, bis 2015. Bis dahin können unter besten Voraussetzungen, Tendenzen aufgezeigt werden, in wie fern der Einsatz von Pflanzenkohle-Komposten (bzw. die Aufwertung der Biogasgärreste mit Pflanzenkohle zu hochwertigen Düngemittel) bei den sandigen Böden des Wendlands verbesserte Bodenaktivitäten sowie -werte und gesteigerte Wachstumspotentiale zur Folge hat. Wir halten Sie hier auf dem Laufenden über die publizierten Ergebnisse. Ansonsten können Sie diese auch direkt auf der Webseite des BMBF-Forschungsprojekts nachlesen.

Am nächsten Tag, dem 2. Oktober, läutete Helmut Gerber mit einem Freude strahlendem Gesicht und nicht ohne ein wenig Stolz das Kompost-Symposium im in der riesiggroßen, aber trotzdem gemütlichen Werkshalle der Firma Pyreg ein. Zwischen großen Rohren und Schrauben und mit viel Sonne, die durch die großzügigen Dachluken hereinströmten versammelten sich rund 100 Leute, um die renomierten ExpertInnen aus dem deutschsprachigen Raum zu hören, dringende Fragen zu klären und zu debattieren. Über die neuesten Forschungsergebnisse im Bereich Pflanzenkohle und Kompost sprachen Prof. Bruno Glaser und Dr. Claudia Kammann. Hier kristallisiert sich eindeutig heraus, dass Pflanzenkohle alleine nicht das Hauptkriterium ist. Die entsprechend behandelten Böden zeigten die besten Organismentätigkeits- sowie Wachstumsergebnisse bei einer Kombination aus hochwertigen Kompost mit vielen pflanzenverfügbaren Nährstoffen und einer vor Aufbringung in den Boden aktivierten Pflanzenkohle. Dieses Ergebnis konnte ebenfalls erzeugt werden, indem die Pflanzenkohle von Anfang an mitkompostiert wird.

Aus der Praxis sprachen Fredy Abächerli aus der Schweiz und Gerald Dunst aus Kaindorf (bekannt durch den Film “Humus – Die vergessene Klima-Chance”). Diese Vortragenden überzeugten vor allem mit ihrer Praxisnähe und –erfahrung und gaben uns damit große Anregungen für unser Forschungsprojekt sowie für unser langfristig angelegtes Unterfangen, eine Kohlendioxid-postive landwirtschaftliche Praxis im Wendland anzuregen und umzusetzen! Alle Präsentationen können auch hier herunter geladen werden.

Wie bei den meisten Symposium und Konferenzen finden die interessantesten relevantesten Diskussionen und Kontakte in den Kaffeepausen an. Diese waren hier wohlwissend und großzügig angelegt. Natürlich auch um allen Symposium-BesucherInnen die Gelegenheit zu geben, die Pyreg-Anlage in Aktion zu sehen und sich die Technologie ein mal von dem Erfinder persönlich erklären zu lassen!

Auch das NDR Team in der Regie von Ralf Hoogestraat war wieder dabei. Es sollte der letzte Drehtag eines halbjährigen Projekts werden, bei dem Ralf und sein Film-Team die wichtigsten Momente des BMBF-Projekts und einiger Wendepunktzukunft-Aktivitäten dokumentierten. Die Reportage soll im Frühjahr 2013 gesendet werden. Wir sind natürlich voller Spannung und hoffen durch diese Öffentlichkeit weiteren engagierten Menschen Anregung und Ideen zu bringen!

Auf dem Rückweg, den wir am späten Nachmittag antraten, machten wir eine Hungerpause – in Limburg, weil es der nächstgelegene Ort war. Wir recherchierten schnell im Internet mit den Schlagwörtern “Limburg nahe Autobahn Restaurant gut” und hatten mehr Glück als Verstand als wir nach Eingabe der Adresse im Navigationssystem vor einer kleinen Kirche Halt machten und zuerst dachten, wir müssten uns vertan haben! Das “Himmel und Erde” stellte sich als der beste Geheimtipp seit Jahren heraus. Wir aßen wahnsinnig schmackhaft und liebevoll zubereitetes Essen bei atmosphärischer Soulmusik und saßen bei schummrigen Kerzenlicht mitten in einer kleinen Kirche, die seit den 70er Jahren leer gestanden hatte, um schließlich vor 5 Jahren zu diesem wunderschönen Ort der Begegnung und Dankbarkeit für das Leben gestaltet und gefüllt zu werden. Wie gesagt, ein Geheimtipp, den ihr bei der nächsten Fahrt, die an Limburg vorbei führt, nicht verpassen dürft!

Nachts um 2 Uhr fiel ich ins Bett nachdem wir die gesamte Mannschaft peu a peu zu Hause abgesetzt hatten. Es hat sich gelohnt! Vor allem sind wir nun alle schon wahnsinnig aufgeregt, “unsere” Pyreg-Anlage in einigen Monaten hier in Gartow im Wendland aufzubauen und zum Einsatz zu bringen!!! Dazu berichten wir später mehr…

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