Mit Gartenparadiesen das Klima und die Welt retten…

Von: Erich Grantzau, Velber

und obendrein gesunde Lebensmittel produzieren, das wollen die Klimagärtner Ute Scheub, Haiko Pieplow und Hans-Peter Schmidt mit ihrem 2013 im Oekom Verlag erschienenen Buch: „Terra Preta Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“

Das urbane Gärtnern, das sich die Autoren auf ihre gift- und kunstdüngerfreien Fahnen und auf gut 200 Seiten Papier geschrieben haben, ist vor allem vor dem Hintergrund der bei uns zahlreich existierenden Gesetze und Verordnungen zum Schutz von Boden und Grundwasser kritisch zu hinterfragen. Euphorisch proklamierte Ziele sind:

Gärten der Fruchtbarkeit, des Überflusses… dem Geruch feuchter Erde… turtelnder Vögel…und …glitschigen fetten Nacktschnecken… schaffen und sich darin wohlfühlen… und das mitten im Moloch Großstadt.

Um diesen Idealzustand des ständigen Überflusses zu erreichen, empfehlen die Autoren quasi den uneingeschränkten Einsatz von Terra Preta, der schwarzen Erde aus Amazonien in den urbanen Gärten.

Nicht nur das, sondern mit Hilfe der Terra Preta Methode werden: - die Agrarkonzerne überflüssig - die Böden entgiftet - trockene Magerböden in Agrarland verwandelt - der Klimawandel gemildert usw. usw.

Terra Preta also quasi die Wunder- und Allzweckwaffe zur Rettung unseres geschundenen Globus und alles was darauf und darin wächst, kriecht und fliegt.

Zunächst sei festgestellt, dass langjährig genutzte Hobby- und Bauerngärten bei uns über Jahrzehnte und Jahrhunderte mit den gleichen Ingredienzien gedüngt wurden wie das die Indios am Amazonas auch taten, nämlich mit: Pflanzen- und Essenresten, Dung, Fäkalien, Asche, Knochen, Kohle von der Feuerstätte u.a. zur Düngung des Gartenbodens.

Ob am Amazonas, in Europa oder in China, Böden, die permanent mit den Abfällen des täglichen Lebens gedüngt wurden und gedüngt werden, weisen hohe bis sehr hohe Humus- und Nährstoffgehalte auf. Aus Sicht einer ordnungsgemäßen konventionellen Landbewirtschaftung sind diese Böden weit überwiegend als extrem überdüngt einzustufen (Grantzau 2008).

Wenn die Autoren euphorisch 10, ja 20% Humus in den Böden fordern, dann sei zunächst darauf hingewiesen, dass ab 4% organische Substanz im Boden unter unseren Klimabedingungen mit einer ständigen Nitratfreisetzung und Auswaschung in das Grundwasser zu rechnen ist (Meinken 2010). Analysen eines Bodens mit ca. 9,0% organische Substanz ergaben jährliche Nitratstickstoff-Freisetzungen von 400 bis 450 kg N/ha (Kaminski 1993). Allein vor diesem Hintergrund ist sehr viel von dem, was die Autoren propagieren bei uns aus Gründen des Boden- und Grundwasserschutzes verboten. Die systematische Auswertung von 21 Dauerversuchen (>20 Jahre) zeigen, dass konventionell landwirtschaftlich genutzte Flächen nicht etwa an Humus total verarmen – das Gegenteil ist der Fall (Körschens 2013).

Dessen ungeachtet ist es natürlich sinnvoll, über die Speicherung von Kohlenstoff in den Böden sachbezogen zu forschen. Positiv ist der nüchterne und frei von Umwelthysterie propagierte Umgang mit Fäkalien als Dünger. Wenn jedoch Urin 1:10 mit Wasser verdünnt als Dünger für das Gemüsebeet propagiert wird, greife ich doch lieber zur urinfreien, konventionellen Ware. Die Verwendung von Fäkalien ist für den erwerbsmäßigen Anbau von konventionellem Gemüse bei uns aus guten Gründen verboten.

Überrascht ist man, dass angesichts der bekannten Gesetzes- und Verordnungslage zum Schutz von Böden- und Grundwasser in der BRD der promovierte Bodenkundler und Mitarbeiter des Bundes-Umweltministeriums, Haiko Pieplow als Mitautor fungiert. Den AutorInnen sei ein gründlicher, Blick in die Gesetzeslage zum Schutze des Bodens und das Studium jüngster und älterer Publikationen in Sachen Humusversorgung der Böden und Terra Preta von den Autoren: (Körschens, Kluge und Reinhold 2013) empfohlen. Eine Neuauflage unter strenger Beachtung allgemein gültiger bodenkundlicher und pflanzenbaulicher Fakten ist zu empfehlen. Anderenfalls ist das Buch als Anleitung zur extremen Überdüngung von Garten- u. a. Böden geeignet.

Literatur: Grantzau, E. (2008): „Warum sind viele Gartenböden stark überdüngt?“ Gartenpraxis 6/2008; S. 45-49 Meinken, E. (2010) pers. Mitteilung Kaminski, R. u. H.C. Scharpf (1993): „Rosen kommen mit geringem Stickstoffvorrat in Boden aus“ Gartenbaumagazin 10/93, S. 26-27 Kluge, R. u. Reinhold (2013): „Terra Preta- was ist dran?“ Referat anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin Körschens, M. 2013): „Humus und Klimaänderung“ Referat anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin

Das Buch: Ute Scheub, Haiko Pieplow und Hans-Peter Schmidt (2013): „Terra Preta Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ Oekom Verlag München ISBN 978-3-86581-407-4 Preis: 19,95 €

WPZ Redaktion

3 comments

  1. Hans Söhl

    Hallo!

    Die Dinge entwickeln sich weiter: Rohstoff Holz 3 – fach nutzen -> Holzkohle – Wärme – Strom

    Zum Punkt Ökonomie des Terra-Preta-Verfahrens

    um einen Vergleich ziehen zu können, ist als Grundlage für die Berechnungen, eine Bezugsfläche von 10ha in 10 Jahren angenommen worden.

    Beispiel 1: Kompostierung

    5 cm Auflage/ha = 500 m3/ha Schwarzerde in 10 Jahren bedeutet eine Aufwandsmenge von 50 m³ / Jahr

    50m³ Schwarzerde mit 10% Vol. Holzkohle sind 5m³ Holzkohle was in etwa
    1,8 t/ha und Jahr Kohle, (so jetzt wird’s schwierig) je nach Wassergehalt, entspricht.
    Für diese Kohle sind 900€ anzusetzen

    Das heißt bei einer Anwendungsdauer von 10 Jahren auf 10ha wird, nach heutigem Stand, für 90.000€ Holzkohle ( 180t ) benötigt.

    Beispiel 2: Gülleanwendung

    Güllezusatz von 5% Vol. bei einer Ausbringung von 30m³ je ha und Jahr sind 1,5m³ Holzkohle je ha und Jahr. Das entspricht je, nach Holzart zur Kohleherstellung, ca.
    540kg Kohle je ha und Jahr

    Das heißt bei einer Anwendungsdauer von 10 Jahren auf 10ha wird, nach heutigem Stand für 27.000€ Holzkohle ( 54t ) benötigt.

    Holzkohleproduktion

    Bei einer 3 – fachen Nutzung des Brennstoffes Holz in Form von Kohle, Wärme und Strom werden für 12kg Holzkohle (10kg Kohlenstoff) ca. 650 Liter (0,6m³) Hackgut G30 benötigt.

    Kosten – Kompostanwendung mit 180t HK in 10 Jahren auf 10 ha entspricht 9.750m³ Hackgut G30

    Aus diesen 9750m3 Hackgut G30 werden auch noch 2.925.000 kWh Wärme und 1.950.000 kWh Storm erzeugt

    Zeitraum 10 Jahre – 10 ha

    Benötigte Hackgutmenge: 9.750m³ x 24€/m³ 234.000€ Kosten

    Erzeugte Wärme: 2.925.000 kWh x 0,03€ 87.750€ Ertrag

    Erzeugte Strommenge: 1.950.000 kWh x 0,20€ 390.000€ Ertrag
    —————————
    Überschuss in 10 Jahren 243.750€

    Holzkohle 500€/t x 180t 90.000€

    Kosten – Gülleanwendung mit 54t Holzkohle in 10 Jahren auf 10 ha entspricht 2.925m³ Hackgut G30

    Aus diesen 2.925m3 Hackgut G30 werden noch 877.500 kWh Wärme und 585.000 kWh Storm erzeugt

    Anwendungsdauer 10 Jahre – 10 ha

    Benötigte Hackgutmenge: 2.925 m³ x 24€/m³ 70.200€ Kosten

    Erzeugte Wärme: 877.500 kWh x 0,03€ 26.325€ Ertrag

    Erzeugte Strommenge: 585.000 kWh x 0,20€ 117.000€ Ertrag
    —————————
    Überschuss in 10 Jahren 73.125€

    Holzkohle 500€/t x 54t 27.000€

    In dieser Konstellation stellt sich die Frage der Ökonomie wieder etwas anders dar.
    Es wäre aber für eine genaue Wertermittlung der Holzkohle wichtig, die Aufnahmekapazität der Nährstoffe aus Gülle und Kompost usw. in Versuchsreihen festzustellen, um die in der Praxis gesammelten Erfahrungen mit Zahlen zu belegen.

    Da die Vergasungstechnik als Rohstoffkreislauf geführt werden soll, ist die Einbringung der Holzkohle sicher nicht nach 10 Jahren abgeschlossen, sondern muss Generationen übergreifend fortgeführt werden.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Erich Grantzau

    Sehr geehrter Herr Söhl,
    interessante Zahlen, die Sie mitteilen.
    Mir erschließt sich nicht, wie Sie diese Daten bewerten bzw. wie sie zu bewerten sind.
    Bedeuten Ihre Zahlen, das Terra Preta für die Anwendung in der Landwirtschaft zu teuer sein wird?
    Oder sind die mitgeteilten Daten ausschließlich von Bedeutung für die Produktion von Bio-Kohle?
    Für Hinweise danke ich vielmals und verbleibe
    mit den besten Grüßen
    Ihr E. Grantzau

  3. Hans Söhl

    Hallo Herr Grantzau,der Kommentar bezieht sich auf den Punkt �konomie des Terra-Preta-Verfahrens und ist mir leider in den falschen Beitrag gerutscht! :-(Die Zahlen beziehen sich auf die Erzeugung von Holzkohle � Wärme � Strom in einem System, das in den Landwirtschaftlichen Kreislauf bzw. Stoffstrom integriert ist. Denn um eine Anwendung der Terra Preta Technik voran zu bringen, ist eine kostendeckende Holzkohleproduktion notwendig. Natürlich muss auch noch ein Gewinn für den Landwirt entstehen. Dies kann aber nur gelingen, wenn wir den Rohstoff Holz optimal nutzen: Holzkohle � Wärme � Strom!Dabei wird nebenbei auch noch CO2 in den Boden eingelagert, bei gleichzeitiger Energieerzeugung, was nur mit diesem System möglich ist. Der Rohstoff sollte idealer weise über Agrofrost Systeme produziert werden.Die Zahle belegen, die Terra Preta Technik nicht an den Kosten für die Holzkohle scheitern wird.Mit freundlichen Grü�enHans Söhl

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