FERNSEH-TIP: planet e. Alarm auf dem Acker

Sonntag 06.10.2013, 14:45 – 15:15 Uhr , ZDF (Länge: 30 min. Dokumentationsreihe, Deutschland, 2013) Hochwasserkatastrophen und Massenkarambolagen haben oftmals die gleichen Ursachen. Ende Mai war die Bodenfeuchtigkeit in großen Teilen Deutschlands so hoch, wie es noch nie zuvor gemessen wurde. Der Boden konnte kein weiteres Regenwasser mehr speichern, und so kam es im Juni zu den verheerenden Überschwemmungen. Es kann aber auch das genaue Gegenteil eintreten: In Deutschland gibt es immer wieder Sandstürme. Es kommt zu Massenkarambolagen auf den Autobahnen. Der Staub, der den Autofahrern die Sicht nimmt, ist aber kein Sand aus der Sahara, sondern Erde von benachbarten Feldern. Wertvoller Boden, der für den Ackerbau verloren ist. Über die Hälfte der deutschen Ackerfläche liegt vom Herbst bis ins Frühjahr karg und ungeschützt in der Landschaft. Erntereste und Neuaufwuchs wurden untergepflügt, die Bauern haben “reinen Tisch” gemacht. Ungeschützt ist der Acker Wind und Regen ausgesetzt. Die Folge: Tonnenweise verschwindet fruchtbarer Boden auf Nimmerwiedersehen.

Die “planet e.”-Dokumentation “Alarm auf dem Acker” zeigt nicht nur den Abtrag, sondern auch den Qualitätsverlust der Böden. Aufgrund sinkender Humuswerte bezeichnen mahnende Experten Teile Nordostdeutschlands bereits heute als Steppe. Kommt danach die Wüste, oder kann man die Äcker noch retten?

Der Film stellt Bauern vor, die das Problem erkannt haben und ihre fruchtbare Krume schonender behandeln. Sie pflügen nicht mehr, und im günstigsten Fall machen sie eine Direktsaat, ohne den Boden zu strapazieren.

Andere versuchen, mit Kompost das Feld zu düngen und den fruchtbaren Humusanteil zu vermehren. Doch dieser Humus verbleibt nicht lange im Boden. Abhilfe verspricht ein ganz neues Verfahren. Biokohle wird dem Kompost beigemischt und hält dadurch den Humusanteil über Jahrhunderte stabil. Gleichzeitig wird dadurch Kohlenstoff im Boden gespeichert und dem Klimageschehen entzogen.

Albrecht von Sydow

Albrecht ist Mitgründer und Vorstand des Vereins Wendepunktzukunft e.V.

One comment

  1. Dr. Rainer Kluge

    Kommentar zur ZDF-Sendung „Planet e“ am 06.10.2013, 14:45 – 15:14 Uhr
    „Alarm auf dem Acker“

    Es war nun schon – nach „Terra Preta – Wundererde für das Wendland“ (NDR, 15.01.2013) und dem Kurzbeitrag zu Terra Preta in „Unser Land“ (BR, 19.04.2013) – der 3. Filmbeitrag innerhalb von 9 Monaten, in dem das Terra-Preta(TP)-Verfahren für die Landwirtschaft thematisiert wurde, Ausdruck für die herausragende Bedeutung, die das öffentlich-rechtliche Fernsehen diesem Verfahren für die Zukunft der Landwirtschaft beimißt.

    Der Beitrag war in Teilen gut gemacht, informierte die Zuschauer recht anschaulich über unsere Ackerböden und ihr Innenleben, die so wichtige Mikroflora und –fauna. Er zeigte an einprägsamen Beispielen, dass sie eine der wesentlichen Grundlagen für eine hohe und stabile Bodenfruchtbarkeit ist, die wiederum maßgeblich von einer optimalen Humusversorgung bestimmt wird. Der Zuschauer erhielt damit einen guten Einblick in den nachhaltigen Bodenschutz.

    Weniger gut war, dass auch diese Dokumentation nicht ohne alarmistische und plakative „Botschaften“ und auch falsche Informationen auskam, wie heute leider manche populärwissenschaftlichen Fernsehbeiträge. Da wird von „drohender Versteppung“ und „dramatischen Humusverlusten“ berichtet, anschaulich unterlegt mit beängstigenden Bildern von Staubstürmen in der Mark Brandenburg. Da werden die schweren Überschwemmungen der letzten Zeit als Indiz dafür zitiert, dass die Böden ihre wichtige Funktion der Wasserbindung mangels Humus nicht mehr erfüllen können, auch das gezeigt an erschreckend verschlämmten Ackerböden. Folgerichtig ist auch bald der Schuldige dafür gefunden, die konventionelle Landwirtschaft mit schweren Maschinen und viel Chemieeinsatz, die die Grundlagen einer schonenden Bodenbearbeitung missachtet, oft nur um des schnöden Profits willen.

    Um nicht falsch verstanden zu werden: Nichts gegen die Darstellung von Ereignissen, wie Staubstürmen und Überschwemmungen, die aufrütteln müssen, sich stärker um den Bodenschutz in der Landwirtschaft zu kümmern – aber doch bitte mit Maß und Mitte, ohne Alarmismus und Panikmache. Unsere Ackerlandschaft ist nicht permanent von Extremereignissen bedroht, steht auch nicht kurz von der „Versteppung“, schon gar nicht einer „Wüstenbildung“. Wir haben, zum Glück, weit überwiegend intakte und fruchtbare Ackerböden in Deutschland, bei aller Differenzierung einzelbetrieblicher und regionaler Problemfälle.

    Keine Frage, wir müssen in Zukunft der Humusversorgung der Böden sicher noch mehr Aufmerksamkeit schenken, können dabei aber auf bewährte Verfahren zurückgreifen. Von „dramatischen Humusverlusten“, wie im Filmbeitrag pauschal unterstellt, kann keine Rede sein. Denn wie ist es sonst zu erklären, dass sich die Erträge in den letzten Jahrzehnten bei deutlich verringertem Mineraldüngeraufwand nachweislich verdoppelt bis verdreifacht haben?

    Und damit kommen wir zu einem gravierenden Mangel der ZDF-Dokumentation: Auf weiten Strecken gewinnt man den Eindruck, dass die Autoren ihre Informationen aus allen möglichen Quellen bezogen haben, nur nicht aus den nachprüfbaren wissenschaftlichen Ergebnissen der deutschen Agrarforschung und aus den Bundesstatistiken zur Landwirtschaft. Da wird in „Schwarz-Weiß“-Manier behauptet, viel zu viele Ackerflächen liegen winters brach, Wind und Wetter ausgesetzt. Ein Blick in die Bundesstatistik zeigt, dass 63 (!) % mit Winterkulturen bebaut sind. „Pflügen ist generell schlecht“, aber „pfluglose Bodenbearbeitung ist immer gut“, wird pauschal und falsch unterstellt. Dabei ist schon seit Jahrzehnten gründlich erforscht – und jeder ausgebildete Landwirt weiß das und handelt danach –, dass die pfluglose Bearbeitung dort ihre Grenzen hat, wo Unkrautbelastung und Schädlingsdruck überhand nehmen. Dort muss gelegentlich gepflügt werden, um diese Probleme, die nur zu mehr Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führen würden, in den Griff zu bekommen.

    Auch tiefer pflügen ist nicht generell schlecht und zerstört den Humus, wie Film behauptet. Mit Maß betrieben, dient es der Erweiterung des durchwurzelbaren Raumes, um mit mehr Nährstoffen und Wasser das Pflanzenwachstum zu fördern und letztlich die Erträge zu steigern. Das gehört alles zu den lange bewährten Maßnahmen, die – natürlich richtig, also nach „Regeln guter fachlicher Praxis“ angewandt – gleichzeitig einen guten Bodenschutz gewährleisten.

    Es ist also einseitig und falsch, dass allein der pfluglosen Bearbeitung die Zukunft gehört. Wie es genau so falsch ist, die Glyphosatbehandlung als durchweg schädlich für die Bodenfruchtbarkeit zu verteufeln. Glyphosat hat erst der pfluglosen Bearbeitung den Weg bereitet, in dem es den Landwirten als Breitbandherbizid, zudem mit geringer Toxizität gegenüber Tieren, Möglichkeiten an die Hand gegeben hat, der Unkrautbelastung besser Herr zu werden, ohne den Pflug einzusetzen. Natürlich muss man auch dieses Mittel sachgerecht anwenden.

    Wieder wurde in dem Beitrag das Terra-Preta(TP)-Verfahren als das Allheilmittel bemüht, mit dem der Humusgehalt dauerhaft hoch und damit die Bodenfruchtbarkeit für alle Zeiten optimal gehalten werden kann. Für den unbedarften Zuschauer musste der fatale Eindruck entstehen, dass die konventionelle Landwirtschaft bisher nur zur Humusvernichtung geführt hat. Kein Wort davon – was für jeden professionellen Landwirt zum täglichen Handwerk gehört –, dass es schon seit langem erprobte Verfahren zum Humusaufbau gibt, wie geeignete Fruchtfolgerotationen, den Einsatz von Wirtschaftsdüngern, Stroh und Kompost sowie den Zwischenfruchtanbau, mit denen die optimale Humusversorgung der Ackerböden nachweislich gesichert wurde und gesichert wird.

    So verheißungsvoll die Erwartungen in das TP-Verfahrens sein mögen, es gibt bisher leider noch keine belastbaren Ergebnisse aus Feldversuchen in der landwirtschaftlichen Praxis, die die prognostizierten Vorteilswirkungen, wie die dauerhaft optimale Humusversorgung, die Einsparmöglichkeiten an Düngern und Pflanzenschutzmitteln, die höheren Erträge und manche weitere mit Zahlen und Fakten belegen. Diese werden aber dringend gebraucht, bevor man die breite Anwendung des TP-Verfahrens in der Landwirtschaft propagiert. Hinzu kommt, dass nach vorliegenden Überschlagsrechnungen (vgl. dazu AgrarFakten „Terra Preta“ unter http://www.agrarfakten.de/) die Kosten für die notwendige Biokohle derzeit noch viel zu hoch ausfallen, um in der Landwirtschaft mit sehr schmalen Renditen wirtschaftlich eingesetzt werden zu können. Auch werden für die großtechnische Produktion von Biokohle erhebliche Mengen an organischen Abfallstoffen, vorrangig Pflanzenabfällen, benötigt, die derzeit in Deutschland nicht verfügbar sind.

    Aus diesen Gründen bestehen für eine breite Anwendung des TP-Verfahrens speziell in der Landwirtschaft derzeit kaum realistische Chancen. Vermutlich wird das TP-Verfahren deshalb noch für längere Zeit auf einzelne Betriebe oder Regionen mit günstigen Rahmenbedingungen bzw. auf hochwertigere Anwendungen (z.B. Produktion gärtnerischer Erden, Anwendungen im GaLaBau, Rekultivierung devastierter Standorte) beschränkt bleiben.

    Leider hat der ZDF-Beitrag nichts von diesen komplexen Zusammenhängen behandelt. Das hätte man von einer Fachredaktion, die mit der Recherche der wissenschaftlichen und praktischen Fakten und ihrer ausgewogenen Darstellung vertraut sein müsste, aber erwarten können. Mehrere Agrarwissenschaftler haben deshalb ihre Enttäuschung darüber in einem offenen Brief an das ZDF zum Ausdruck gebracht (vgl. dazu AgrarFakten-Extra „ZDF-Film Alarm auf dem Acker“ unter http://www.agrarfakten.de/).

    Autoren: Dr. Rainer Kluge, Karlsruhe, rainer.kluge@gmx.net
    Dipl.-Ing. Erich Grantzau, Seelze, e.grantzau@t-online.de
    Stand: 16.10.2013

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