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Lösung gewollt?

Ein sehr guter Kommentar zur derzeit (nicht wirklich) stattfinden Debatte über die Strukturreform und die mögliche Kreisfusion. (Stichtag 04.06.2012!) Das Kirchturmdenken gibt es nicht bei Kommunalpolitikern. Auch der Kreiselternrat  nennt die Schullandschaft eine »no-go-Area» und leistet damit einer Kreisfusion indirekt Vorschub. Ist unsere Schullandschaft wirklich die Beste, die wir uns für unseren Landkreis wünschen können? Es wird Zeit, dass die Debatte auf breiter Ebene, in allen Kanälen geführt wird, bevor es zu spät ist, und andere über unsere Schul- und sonstige Landschaften bestimmen.

 

Lösung gewollt?

Karl-Friedrich Kassel, in der Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 17.03.2012

Unter den Stichworten „Strukturreform“ oder „Zukunftsvertrag“ diskutiert die Kreispolitik die Zukunft der Region. Wird es in ein paar Jahren Lüchow-Dannenberg noch geben? Oder die drei Samtgemeinden? Müssen sich Gemeinden zusammenschließen? Sicher scheint so viel: gelingt es Landkreis und Samtgemeinden nicht, von ihren Schuldenbergen herunter zu kommen, dürfte spätestens 2016 Schluss sein mit der gegenwärtigen Verwaltungsstruktur von und in Lüchow-Dannenberg. Keine Landesregierung, egal welcher Farbenzusammensetzung, wird den hohen Zuschussbedarf Lüchow-Dannenbergs weiter tragen. Das werden schon die anderen Regionen des Landes verhindern. Selbst wenn man grundsätzlich die Finanzierung der Kommunen für mangelhaft und eine bessere Finanzausstattung für notwendig hält – für unser Gemeinwesen wird es nicht reichen. Zu gering ist die Wirtschaftskraft. Landrat Jürgen Schulz hat der Kreispolitik Alternativen aufgezeigt, wie grundsätzlich etwas an den Kosten zu verändern wäre. Der bisher letzte Vorschlag ist die Bildung einer einzigen Samtgemeinde Lüchow-Dannenberg, einer einzigen Verwaltung für das dann ehemalige Kreisgebiet. Die Gemeinden blieben erhalten, könnten immer noch fusionieren. Der Landkreis würde aufgelöst und die Samtgemeinde Lüchow-Dannenberg an einen anderen Kreis oder einen neuen Großkreis angeschlossen. Die „Einheit der Region“ bliebe erhalten.

Kaum ist die Idee in der Welt, kommen die Einwände. Mancher Gemeindevertreter möchte eine Lösung nur für seinen Kirchturm. Alles darum herum ist ihm gleichgültig. Andere sehen sich schon lange in Lüchow-Dannenberg unter Wert behandelt und fühlen sich zu Höherem berufen. Persönliche Karriereängste spielen eine Rolle, alte Abneigungen und Selbstverliebtheiten. Was besonders verwundern muss, ist die Tatsache, dass ausgerechnet aus den Reihen der Gruppe X beim Kreistag zu Wochenbeginn die massivsten Einwände formuliert wurden. Ausgerechnet aus jener Gruppierung, zu deren Wählerschaft viele von denen gehörten, die in den vergangenen drei Jahrzehnten unter großem kreativen und oft auch finanziellen Einsatz mit dafür gesorgt haben, dass die Region eine neue Identität, ein neues Selbstbewusstsein bekam. Junge Leute verlassen zwar auch heute noch Lüchow-Dannenberg, um anderswo Arbeit und Leben zu finden. Aber anders als vor dreißig Jahren genieren sich viele von ihnen draußen nicht mehr, ihre Herkunft zu nennen. Im Gegenteil. Es wäre den Schweiß der Tüchtigen wert, dieses neue Selbstbewusstsein und die ihm zugrunde liegende Einheit der Region zu erhalten. Stattdessen gefallen sich politische Protagonisten darin, jede tragfähige Lösung zu zerreden. Niemand hat behauptet, es gäbe keine Probleme bei der Bildung einer einzigen Samtgemeinde. Die Frage ist nur: will man Überhaupt eine Lösung oder reicht es, die anderen vorzuführen? Dann werden wir uns in ein paar Jahren aufgesplittert in verschiedenen Verwaltungseinheiten wiederfinden. Lüchow-Dannenberg, das Wendland wird bald kein Begriff mehr sein. Merkwürdig, dass dies ausgerechnet der Gruppe X gleichgültig zu sein scheint.