Schlagworte: Terra Preta

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Europäisches Pflanzenkohle Zertifikat [aus Ithaka-Journal]

Mit der Einführung des Europäischen Pflanzenkohle Zertifikats wird ein Meilenstein für die landwirtschaftliche Nutzung von Pflanzenkohle gesetzt. Pflanzenkohlen, die nach den Richtlinien des Zertifikats hergestellt werden, erfüllen sämtliche Anforderung an eine kontrollierte Produktion mit positiver Klima- und Umweltbilanz. Die ökologisch nachhaltige Beschaffung der verwendeten Biomassen wird dabei ebenso garantiert wie die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben des Bodenschutzes und der Luftreinhaltung. Umfassend werde die Eigenschaften und die Qualität der Pflanzenkohle bewertet, so dass ein gezielter Einsatz der Pflanzenkohle in der Landwirtschaft, der Tierhaltung und der Abwasserbehandlung gewährleistet werden kann.

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Terra Preta Stammtischbericht, 14. Januar 2012

Unser Terra Preta Stammtisch fand in diesem Monat nicht im Cafè Salix in Gartow statt, sondern in Vietze bei der Frau Tietze. Dankenswerterweise konnten wir auf ihre Hilfe zurückgreifen, da das Cafè Salix ausgerechnet in jener Woche Urlaub machte. Frau Tietze bewohnt einen alten Gasthof und richtete für die Stammtisch Genossinnen & Genossen den Ballsaal her, mit riesigem Tisch und ausreichend Stühlen drumrum. Außerdem gab es Gebäck, Kaffee und Erfrischungsgetränke. Als wenn das der Gaumenfreuden noch nicht genug wäre, hatte jeder noch eine kleine Köstlichkeit im Gepäck, sodass für das leibliche Wohl ausreichend gesorgt schien.

In gemütlicher Plauderrunde wurden die Erfahrungen des letzten Jahres resümiert. Es offenbarte sich ein breites Spektrum an Ergebnissen im Umgang mit Pflanzenkohle, Mikroorganismen und dem eigenen Kompost. So gab es beispielsweise Probleme mit der Handhabung der häuslichen Biobfälle mit üblen Gerüchen und Schimmel als Begleiterscheinung oder eine viel zu große Wassertonne für den Terra Preta Ansatz. Auch die Verwendung der Mikroorganismen war ein wichtiges Thema. Einige verwenden Effektive andere indigene (heimische, selbstvermehrte) Mikroorganismen. Es zeigte sich, dass die indigenen Mikroorganismen den EM’s vorgezogen werden. Vor allem, weil die Stammlösung der Effektiven Mikroorganismen meist aus japanischen Laboren kommt und diese sich nicht recht in unser Klima einfügen können. Auch gab es Unsicherheiten hinsichtlich der Menge beziehungsweise der Konzentration von Mikroorganismen. Es wurde der Wunsch geäußert, in einem Workshop die Handhabung und Vermehrung indigener Mikroorganismen zu zeigen. Diesem Wunsch werden wir in Kürze erfüllen.

Glücklicherweise gibt es auch einige Mitstreiter, die einen „grünen Daumen“ besitzen und nicht müde werden, für die vielen Hindernisse des Gärtneralltags einen Lösungsweg anzubieten. Einer dieser Mitstreiter hat seine Gartenerfahrungen bezüglich der Terra Preta Herstellung bereits unserem Terra Preta Wiki zur Verfügung gestellt. Sie können hier eingesehen werden.

Nettes beisammensitzen und plaudern füllt die praktisch orientierten Mitstreiterinnen und Mitstreiter dauerhaft nicht aus. So werden wir im April eine Exkursion Richtung Berlin unternehmen um uns von einem Garten-Experten Tips und Tricks in der Terra Preta Herstellung geben zu lassen. Des weiteren werden wir vermehrt Impulsreferate von Terra Preta Spezialisten organisieren und uns über Humus aufbauende Anbaumethoden berichten lassen.

Alles in Allem freuen wir uns auf das kommende Jahr und harren voller Ungeduld der Gartensaison um endlich wieder dem Kribbeln, Krabbeln, Summen, Schnarren, Wuchern und Wachsen beiwohnen zu können. Der nächste Stammtisch wird im Februar sein. Genaueres ist auf unserer Veranstaltungsseite zu erfahren.

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Mit den Methoden der Indios [aus Cicero]

Artikel aus dem Cicero Magazin von Marie Amrhein vom 22. November 2011 Webseite

Dieser Tage rollt der Castor-Transport durch das schöne Wendland. Das hält den jungen Grafen von Bernstorff nicht davon ab, dort mit den Methoden der Indios hochtechnologischen Ackerbau zu betreiben.

Abschätzig lässt Daniel ­Oliver Habenicht die dunkle Erde durch seine Finger rieseln. 0,9 Prozent Humus haben seine Messungen auf dem Ackerland ergeben. „Das ist der schlechteste Boden, den wir haben“, fasst Fried von Bernstorff die ernüchternde Bodenerkundung zusammen. Die beiden Männer stehen auf sandigem Untergrund. „Der hält kaum Wasser oder Nährstoffe.“ Typischer Boden für diese Gegend im Wendland, dem am dünnsten besiedelten Landstrich in Niedersachsen.

Aber das soll sich in Zukunft ändern. Und nicht nur das. Von Bernstorff und Habenicht haben ein Projekt. Gemeinsam mit Catharena van Zyl, bis vor kurzem Unternehmensberaterin in Amsterdam, und Albrecht von Sydow, Jurist und Ökonom, haben sie vor etwa einem Jahr die Initiative Wendepunktzukunft ins Leben gerufen. „Weil sich hier endlich etwas bewegen muss“, meint von Bernstorff und schaut über sein Land.

Seit kurzem ist der junge Graf Eigentümer des größten Waldes in Norddeutschland. Knapp 6000 Hektar Forst und der dazugehörige Betrieb mit 32 Angestellten unterstehen seiner Verantwortung. Der Vater, Andreas von Bernstorff, ist zwar noch im Geschäft, lässt dem Sohn aber immer mehr freie Hand. Auf dem Schloss in Gartow, dem Bernstorff’schen Familiensitz, werden derzeit große Gedanken gesponnen. Zu besichtigende Ergebnisse gibt es bisher noch nicht – außer ein paar Tonnen Erde und einer grünen Ackerfläche. Sitzt man aber mit den Initiatoren zusammen, so entsteht innerhalb von Minuten ein Netz an Ideen und konkreten Plänen. Wendepunktzukunft ist vieles: Thinktank, Open Source, Bürgergesellschaft, Forschungszentrum. Es will ländliche Regionen robust machen gegen die Abwanderung von wirtschaftlichen und sozialen Strukturen. Einer der Leitgedanken ist es, lokale Stoffkreisläufe zu schließen.

„Ich möchte in meiner Lebensspanne den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb umstellen und den Düngekreislauf schließen, so wie es früher war“, sagt Fried von Bernstorff. Das umfasst die Forstwirtschaft, den landwirtschaftlichen Betrieb, eine Schnapsbrennerei und die Biogasanlage.

Hier setzen die Initiatoren mit einem ihrer nächsten Projekte an: Mit der Biogasanlage macht das Schloss einen großen Schritt in Richtung dezentraler Kreislauf. Neben dem Schloss und dem landwirtschaftlichen Betrieb werden das Schwimmbad von Gartow, das Altersheim und Schulen bereits mit Energie versorgt. Grünschnitt, Klärschlämme, Gärreste – alles, was bisher von den Bauern „bestenfalls suboptimal oder gar nicht“ genutzt wird, soll nun einen Sinn bekommen.

Das wichtigste Projekt des Vereins ist aber der größte Terra-Preta-Versuch Europas, ein Forschungsprojekt, das am 1. Januar des kommenden Jahres gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung auf dem Land der ­Bernstorffs startet. Terra Preta ist portugiesisch und bedeutet wörtlich übersetzt schwarze Erde. In der Landwirtschaft bezeichnet es einen menschengemachten sehr fruchtbaren Humusboden, der ursprünglich von den Indios im Amazonasgebiet hergestellt wurde.

Die Idee von Wendepunktzukunft: Ungenutzte Reste aus der Biogasanlage der Bernstorffs oder von nachbarschaftlichen Landwirten werden unter Sauerstoffausschluss in Kohle umgewandelt. Das CO2, das bei der Verwesung sonst entstünde, wird auf diese Weise gebunden. Gleichzeitig wird die Pflanzenmasse so haltbar gemacht, und ihre chemischen Verbindungen bleiben erhalten. Anschließend wird das Ganze „zu einer Art Flüssig-Terra-Preta aufbereitet“, erklärt Albrecht von Sydow. Diese humusaufbauende Technologie sei in Zukunft „bares Geld“ wert. Denn was heute auf den industriell gemanagten Feldern passiert, wird auch auf finanzieller Ebene nicht mehr lange durchzuhalten sein. „Es hat nichts mit ökologisch-esoterischem Gutmenschentum zu tun, wenn man einem konventionellen Landwirt sagt: ‚Du, Stickstoff wird in 20 Jahren zehn Mal so teuer sein wie heute, und außerdem werden alle landwirtschaftlichen Subventionen gestrichen. Du hast auf unseren armen Böden nur dann ökonomisch eine Chance, wenn du dich von Kunstdünger unabhängig machst.‘ Viele Betriebe setzen heute Glyphosat ein, den Kernbestand von Agent Orange, das im Vietnamkrieg zur Entlaubung der Wälder verwendet wurde. „Da lebt kein Regenwurm mehr. Das ist wie eine landwirtschaftliche Petrischale.“

Argumentative Unterstützung erhält die Initiative auch von Felix zu Löwenstein. Der Vorsitzende des Verbands ökologischer Lebensmittelproduzenten legt in seinem neuen Buch „Food Crash – Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr“ mit Beispielen aus aller Welt dar, dass die konventionelle Landwirtschaft „in einem letzten großen Strohfeuer“ alles verheize, was zukünftige Generationen als Lebensgrundlage bräuchten. Er stützt sich dabei auf den Weltagrarbericht und Studien der Vereinten Nationen, die allesamt zu dem Schluss kommen, dass die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung nur mit ökologischen Agraransätzen gewährleistet werden kann.

Wendepunktzukunft hat ausgerechnet: Mit nachhaltiger Landwirtschaft könnte man mit 70 Quadratmetern einen Menschen ernähren; derzeit brauchen wir in Deutschland mit konventionellen Anbaumethoden 5000 Quadratmeter pro Person. „Terra Preta ist erneuerbare Energie für den Boden“, sagt von ­Bernstorff. Auf 30 Hektar soll das Gemisch im kommenden Jahr ausgebracht werden – und aus den schlechtesten Böden des Bernstorff’schen Betriebs fruchtbare Äcker machen.

Aber die Idee geht noch weiter. Auf dreien der 30 Hektar Versuchsacker werden kleine Gärten angelegt. Um Stadt und Land wieder enger zu verbinden, will Wendepunktzukunft saisonales Obst und Gemüse anbauen und dieses an Familien aus der Stadt verkaufen. „Wenn man es geschickt anstellt, kann man mit diesem halben Hektar acht Familien ernähren und einen Arbeitsplatz schaffen“, habe das an dem Projekt beteiligte Delinat-Institut ausgerechnet, sagt von Bernstorff. Die Familien bekämen also Gemüse vom Ackerboden ihres Vertrauens, der durch die Verwendung des Terra-Preta-Gemischs gleichzeitig einen Beitrag zur CO2-Bindung leiste und nachhaltig nutzbar bliebe.

Auf der Suche nach Mitstreitern aus der Umgebung vermeidet Fried von ­Bernstorff mittlerweile den Begriff Terra Preta: „Das hat so eine mythische Aura, dass viele Landwirte mit dem Hinweis auf zu viel Esoterik den Gebrauch zurückweisen.“ Wendepunktzukunft geht es aber gerade darum, auch die konventionellen Bauern mit ins Boot zu holen. Von Bernstorff und Co wollen keine Nischenwissenschaft betreiben, sondern träumen von einem gesellschaftlichen Umdenken.

Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht: Der Finanzsektor, die Energiewirtschaft, die Nahrungsmittelerzeugung, keines dieser Systeme ist bisher nachhaltig. Gleichzeitig kämpfen diese Branchen mit einem gravierenden Vertrauensverlust der Verbraucher, sodass der Anreiz zur Veränderung groß ist. Aus der Politik gibt es bisher noch keine Ideen, wie man den Umgang mit der Natur in Zukunft retten will. „Für die Forstwirtschaft gibt es in Deutschland gesetzliche Regelungen zur nachhaltigen Bewirtschaftung, wie das Bundeswaldgesetz oder die Landesforstgesetze. Für die Landwirtschaft oder die Industrie gelten vergleichbare Regeln bisher leider nicht“, bemängelt Andreas Schulte vom Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Das will der Thinktank aus Gartow ändern. Und dabei helfen Ort und Name mit gewaltiger Symbolik nach. Denn das Land, das der 33-jährige Fried von Bernstorff verwaltet, birgt eine ebenso umfangreiche Tradition und große Verantwortung wie der Name von Bernstorff, der spätestens seit dem Kampf gegen das Atomendlager in Gorleben eng verwoben ist mit der Sorge um die Zukunft der Natur und der Menschen im Wendland. Als dem Waldbesitzer Andreas von Bernstorff Mitte der siebziger Jahre mehrere zehn Millionen Mark geboten wurden, damit er sein Land für das Atomendlager aufgibt, lehnte der ab. Kurze Zeit später brannte der Wald. Es war Brandstiftung. Aber die Bernstorffs verkauften nicht, sie forsteten auf; inzwischen plant der Sohn einen Windpark auf dem damals umkämpften Gelände. Bis heute steht die Familie bei Demonstrationen auf der Seite der Gegner, werden Jagden just zur Zeit der Castor-Transporte abgehalten oder Bäume im Wald gefällt, die rein zufällig auf die Straße fallen und die Zufahrtswege nach Gorleben versperren.

Für die Familie der Bernstorffs hat der aktive Naturschutz mit der Liebe zum eigenen Wald begonnen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Land, das damals aus Heide, Sanddünen und Mooren bestand, mit der Aufforstung begonnen. Ähnlichen Einfluss hat der Wald in ganz Deutschland seit jeher auf seine jeweiligen Besitzer gehabt. So ist der Gedanke der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft entstanden. „Vor Hunderten von Jahren wurden in der Forstwirtschaft die ersten Regularien zur Nachhaltigkeit aufgestellt“, erklärt Andreas Schulte. „Die Idee war einfach: In jedem Jahr darf nur so viel Holz genutzt werden wie nachwächst, damit auch die zukünftigen Generationen noch etwas von den Wäldern haben. Von den Zinsen leben, nicht von der Substanz, das ist auch heute noch das Leitbild nachhaltigen Wirtschaftens im Wald.“

Heute sitzt die junge Generation um Fried von Bernstorff an der gleichen Stelle wie damals sein Vater mit seinen Mitstreitern. Wendepunktzukunft wirft die Frage auf, wie „der ländliche Raum helfen kann, die großen Krisen des 21. Jahrhunderts zu lösen“. Sie haben sich der Ernährung, der Energie und dem Klima verschrieben. Es geht ums große Ganze, um entvölkerte Landstriche, um die Abwanderung von Wirtschaftskraft. Wie schafft man es, dass „die Impulse wieder vom Land kommen“? Dass der ländliche Raum sowohl „für Unternehmer als auch für Kreative attraktiv wird“?

Bei einer Fahrt ins Wendland an einem strahlenden Oktobertag versteht der Besucher ihren Drang, dieses Land zu retten, das sie umgibt. Vorbei an sich emsig drehenden Windrädern, an Schafen, Kühen, dann und wann einem Hof und einem Pferd im sumpfigen Wiesengrund. Die Sonne steht tief, plötzlich blitzt die Elbe durch das satte Grün, in das sich schon ein herbstliches Gelb mischt. Die Elbe hat hier wenig gemein mit dem industrialisierten Fluss in Hamburg, sondern durchzieht als Aue seicht das Land.

Im Rahmen des Forschungsprojekts Terra Preta schreibt Catharena van Zyl, Vorstandsvorsitzende des Vereins Wendepunktzukunft, ihre Dissertation zum Thema „Ökosystemdienstleistung und Komplementärwährung auf Kohlenstoffbasis“. Van Zyl will herausfinden, ob in Zukunft ein Dorfbewohner, der sich um seine alte Nachbarin kümmert, dafür Bonuspunkte bekommt, mit denen er im lokalen Bioladen Brot einkaufen kann. Das Brot bliebe damit ökonomisch wettbewerbsfähig im Vergleich zum Supermarkt um die Ecke, und der Bioladen könnte den Landwirt ausreichend entlohnen, der wiederum höhere Kosten hat, weil er humusaufbauende Landwirtschaft betreibt.

Ideen wie diese haben inzwischen auch die Politiker in der Gemeinde angesteckt. Kürzlich waren sie zu einem „sehr harmonischen Ausflug in das süddeutsche Morbach, um dort gemeinsam einen vorbildlichen Energiepark anzugucken“, erzählt Albrecht von Sydow.

Wendepunktzukunft ist keine Gruppe spinnerter Ökologieesoteriker in Wollpullis. Hier sitzen Ökonomen zusammen, die Natur und Geschäft gleichzeitig im Auge haben. Es ist eine neue Generation grüner Denker, die hier die Zukunft in Angriff nehmen will. Ihre Motivation bringt Catharena van Zyl stellvertretend für ihre Mitstreiter kurz und knapp auf den Punkt: „Alle Menschen auf dem Land sollen mit einem breiten Honigkuchenpferdlächeln herumlaufen.“

WPZ Redaktion

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Terra Preta, ein Thema in der Wochenzeitung: Die Zeit

Ein sehr interesanter Artikel befindet sich in der aktuellen Ausgabe der Zeit. Interessant nicht ob der neuen Informationen – das Beschriebene ist längst in der einschlägigen Szene, wie auch bei uns bekannt – sondern wegen der Art des Mediums auf dem die Informationen stehen. Eine etablierte Wochenzeitung. Ist Terra Preta somit in der “Mitte der Gesellschaft” angekommen? Wohl kaum. Eher ist es ein Schritt in Richtung Bodenkontakt. Terra Preta macht wenig Sinn ohne ein regionales Stoffstrommanagement und dem Verzicht auf Gifte in der Landwirtschaft. Und das darauf jetzt der Fokus gesetzt wird, kann nur begrüßt werden.

Der Artikel ist zu lesen und kommentieren unter: Zeitartikel

Wissenswertes zu Terra Preta gibt es im Terrapretawiki

Albrecht von Sydow

Albrecht ist Mitgründer und Vorstand des Vereins Wendepunktzukunft e.V.

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Buchtip: Humussphäre – von Herwig Pommeresche

Mit der provokanten Frage: Humus – ein Stoff oder ein System? Entzieht Herwig Pommersche der Theorie der Mineralisierung von Justus von Liebig bezüglich des Pflanzenreichs jegliche Existenzberechtigung. Mit viel Enthusiasmus und wichtigen Namen aus der Biologie bringt er die drei Säulen der technologischen Agrikultur – NPK (Nitrogen, Phosphor, Kalium) – zu Fall. Denn wie Herwig Pommersche sind Raoul Heinrich Francé, Annie Francè-Harrar, Hans-Peter Rusch und Hugo Schanderl der Meinung, dass Pflanzen sich aus dem organischen und nicht dem mineralischen Bereich ernähren.

Der Autor leitet seine Gedanken mit den geschichtlichen Ausführungen der momentan herrschenden Vorgehensweisen in der technologischen, ökologischen sowie der biodynamischen Landwirtschaft ein und stellt anschliessend die “andere” Agrikultur dem gegenüber.

Ein sehr inspirierendes und unterhaltsames Buch. Pommersche macht einen Querschnitt durch die aktuellen Möglichkeiten naturnah die Humussphäre zu nähren. Es werden viele Beispiele aufgezeigt, die unglaublich scheinen und heute gar für schwer realisierbar gehalten werden. Allerdings sind es keine Wundermenschen, die hier zu Werke gingen und gehen, sondern Pioniere der Landwirtschaft, die sich trauen auf ihr Herz zu hören und den Verstand dabei nicht ausser Acht lassen.

Durch einen ausführlichen Quellennachweis kann der Leser bei Bedarf in die verschiedenen Themen tiefer eintauchen und sich ein eigenes Bild verschaffen. Mir hat es sehr viel Freude gemacht, dieses Buch zu lesen und ich kann es nur empfehlen. Es enthält viele verdrängte und längst vergessene Aspekte der Naturwissenschaft und bringt sie “zurück” in die Gegenwart.

Erschienen ist das Buch 2004 im “Organischer Landbau Verlag Kurt Walter Lau“. Es hat 224 Seiten, Hardcover und kostet 22,00 €

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Buchtip: Humusaufbau – eine Chance für Landwirtschaft und Klima (2011)

Wenn Menschen aus der Praxis ein Buch schreiben, kommt meistens etwas gutes dabei heraus. Gerald Dunst ist ein solcher Praktiker und schrieb ein gutes Buch. Als studierter Landwirt betreibt er seit über zwanzig Jahren Forschung im Bereich der Bodenverbesserung und des Humusaufbaus. In diesem Jahr erschien sein Buch zum Thema Humusaufbau; es ist besonders empfehlenswert für Landwirte, Gärtner, Hobbygärtner und Aktivisten sowie Forscher und Wissenschaftler.

Das Buch kann einerseits als Handbuch andererseits aber auch als Statusmeldung über die neuesten Möglichkeiten zur Bodenverbesserung, Kohlenstoffbindung oder den aktiven Umweltschutz in der Landwirtschaft gelesen werden. Dabei ist es gut gegliedert, übersichtlich gestaltet und in leicht auffindbaren Kapiteln unterteilt.

Inhaltlich wird das Thema Humus und Humusaufbau von der Theorie bis zur Praxis durchgearbeitet. Die Texte sind leicht verständlich und bedürfen kein naturwissenschaftliches Studium. Mir gefällt vor allem die Verbindung von Forschung und Umsetzung. So weit es zur Zeit möglich ist unterfüttert Gerald Dunst seine Aussagen mit Daten und Fakten. Dabei bleibt er auf seiner Linie und gibt weiteren Überlegungen und anderen Herangehensweisen den nötigen Raum. Viele Fragen sind noch offen. Es muss noch viel getan werden. Dieses Buch gibt die Möglichkeit an aktuellen Erkenntnissen anzuknüpfen und im eigenen Sinne fortzuführen.

Besonders hervorzuheben sind die Praxisbeispiele einiger Pioniere, die nicht nur vorbildlichen Humusaufbau betreiben, sondern auch mit Mischkultur, Untersaaten und Minimalbodenbearbeitung große Erfolge erzielen konnten. Daran zeigt sich, wie wichtig ein Umdenken in der Landwirtschaft ist.

Im letzten Kapitel wird die hoffnungsvolle Schwarzerde aus dem Amazonas, Terra Preta, behandelt. Gerald Dunst sieht in der Terra Preta Technologie ein immenses Potential. Das macht Hoffnung.

Abschließend kann dieses Buch nur dringend weiterempfohlen werden. Sei es als Überblick, Diskussionsgrundlage oder eben zum Selbermachen.

Das Buch “Humusbaufbau – Chance für Landwitschaft und Klima” kann unter office@sonnenerde.at bestellt werden.

Preis: € 25,00 (inkl. 10% MwSt.)

Versandkosten: innerhalb Österreich € 4,00 Europa € 8,00 Weltweit € 10,00

Zahlungsweise: Rechnung und Erlagschein beigelegt Zahlungsziel 10 Tage ab Rechnungserhalt

Hier geht es zur Webseite von Gerald Dunst: Sonnenerde

Humusaufbau statt Hungersnot [aus Ithaka-Journal]

Über eine Milliarde Menschen leiden weltweit an Hunger. Hauptgrund ist die Zerstörung der landwirtschaftlichen Böden durch ungeeignete Bewirtschaftungsmethoden. Zynisch predigt die Politik, dass die erwarteten 9 Milliarden Menschen nur durch Intensivierung der Landwirtschaft mit synthetischen Düngemitteln, Pestiziden, genmodifiziertem Saatgut und großen Maschinen ernährt werden können, obwohl genau das bereits heute der Grund für die schlimmste Hungersnot der Menschheitsgeschichte ist. Weiterlesen

WPZ Redaktion