Schlagworte: Wendepunktzukunft

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Wundererde aus dem Wendland?

Nun, die Wundererde wird so schnell noch nicht aus dem Wendland kommen. Wer aber ins Wendland kam, ist Ralf Hoogestraat vom NDR. Und der hat unseren Verein im Zuge des Clima Carbo Projektes ein Jahr lang begeleitet und eine wunderschöne Reportage produziert. Wir drücken an dieser Stelle dem Ralf einen herzlichen Dank aus!

Die Reportage ist noch eine Weile über die Mediathek des NDR zu finden: hier

Und auf YouTube und in anderen Foren wird schon fleißig über den Beitrag diskutiert.

WPZ Redaktion

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Clima Carbo – Kompostansatz

Vom Mittwoch (04.04.12) bis Donnerstag (05.04.12), unterkühlt, vom Regen durchnässt, begleitet von einem Kamerateam des NDR, setzten wir die ersten Kompostmieten für das Clima Carbo Projekt in Gartow an. Glücklicherweise wurde gerade ein Maissilo frei, sodass wir Platz an der Biogasanlage hatten um den Ansatz zu bestücken.

Abgepresster Biogas-Gärrest, Mist, Stroh, Lehm und Pflanzenkohle wurden in unterschiedlichen Varianten gemischt und zu Mieten geformt. Nach zwei umfangreichen Arbeitstagen konnten wir voll freudiger Erwartung unser Werk bestaunen. Ein weiterer Schritt in Richtung nachhaltige Zukunft …

Die ausführliche Projektbeschreibung befindet sich in unserem Projektebereich

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Besuch bei der GrünRaum Initiative in Lüneburg

Seit über einem Jahr organisiert der Verein Wendepunktzukunft Workshops und Stammtische zum Thema Humusaufbau und Humus aufbauende Anbaumethoden. Ein Schwerpunkt dieses Bereiches ist die Erforschung der Nutzungsmöglichkeiten von Pflanzenkohle. Im Amazonas-Gebiet nennt mensch diese Erde Terra Preta. In unseren Breitengraden kann mensch Terra Preta eher mit einer Bewegung in Zusammenhang bringen, denn mit einer anthropogenen Erde.

Im Zusammenhang mit dem Workcamp der lüneburger Janun-Gruppe, “ohne Geld durch die Welt” wurden wir angefragt, ob wir bei einem Aktionstag in der Lüneburger Stadtfarm und dem Permakultur ZICKENGARTEN fachliche Unterstützung bezüglich der Herstellung von Terra Preta geben könnten. Das taten wir natürlich gerne.

Am Karfreitag und am Sonntag referierte Daniel Oliver Habenicht über die Prinzipien der Terra Preta Herstellung und gab Hilfestellung beim Bau eines Terra Preta Trockenklos sowie beim Bau eines Pyrolyse-Ofens. Beides wurde weitestgehend aus recycelten Matrialien gebaut.

Die Pflanzenkohle, die jetzt im Pyrolyse-Ofen hergestellt wird, kann wunderbar für das Terra Preta Klo genutzt werden. Somit ist wieder ein Stoffstromkreislauf entstanden.

Hier sind ein paar fotographisch festgehaltene Eindrücke:

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“Verdurstet in der Breitbandwüste”

vorstehender Titel eines Artikels in der TAZ von heute trifft auch für viele WendländerInnen zu. Ich finde den Artikel nicht nur sehr lesenswert. Es ist auch überlegenswert, ob wir uns nicht im Wendland auf kommunaler Ebene den Bemühungen aus den Nachbargemeinden in Sachsen-Anhalt anschließen sollten.

Albrecht von Sydow

Albrecht ist Mitgründer und Vorstand des Vereins Wendepunktzukunft e.V.

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Mit den Methoden der Indios [aus Cicero]

Artikel aus dem Cicero Magazin von Marie Amrhein vom 22. November 2011 Webseite

Dieser Tage rollt der Castor-Transport durch das schöne Wendland. Das hält den jungen Grafen von Bernstorff nicht davon ab, dort mit den Methoden der Indios hochtechnologischen Ackerbau zu betreiben.

Abschätzig lässt Daniel ­Oliver Habenicht die dunkle Erde durch seine Finger rieseln. 0,9 Prozent Humus haben seine Messungen auf dem Ackerland ergeben. „Das ist der schlechteste Boden, den wir haben“, fasst Fried von Bernstorff die ernüchternde Bodenerkundung zusammen. Die beiden Männer stehen auf sandigem Untergrund. „Der hält kaum Wasser oder Nährstoffe.“ Typischer Boden für diese Gegend im Wendland, dem am dünnsten besiedelten Landstrich in Niedersachsen.

Aber das soll sich in Zukunft ändern. Und nicht nur das. Von Bernstorff und Habenicht haben ein Projekt. Gemeinsam mit Catharena van Zyl, bis vor kurzem Unternehmensberaterin in Amsterdam, und Albrecht von Sydow, Jurist und Ökonom, haben sie vor etwa einem Jahr die Initiative Wendepunktzukunft ins Leben gerufen. „Weil sich hier endlich etwas bewegen muss“, meint von Bernstorff und schaut über sein Land.

Seit kurzem ist der junge Graf Eigentümer des größten Waldes in Norddeutschland. Knapp 6000 Hektar Forst und der dazugehörige Betrieb mit 32 Angestellten unterstehen seiner Verantwortung. Der Vater, Andreas von Bernstorff, ist zwar noch im Geschäft, lässt dem Sohn aber immer mehr freie Hand. Auf dem Schloss in Gartow, dem Bernstorff’schen Familiensitz, werden derzeit große Gedanken gesponnen. Zu besichtigende Ergebnisse gibt es bisher noch nicht – außer ein paar Tonnen Erde und einer grünen Ackerfläche. Sitzt man aber mit den Initiatoren zusammen, so entsteht innerhalb von Minuten ein Netz an Ideen und konkreten Plänen. Wendepunktzukunft ist vieles: Thinktank, Open Source, Bürgergesellschaft, Forschungszentrum. Es will ländliche Regionen robust machen gegen die Abwanderung von wirtschaftlichen und sozialen Strukturen. Einer der Leitgedanken ist es, lokale Stoffkreisläufe zu schließen.

„Ich möchte in meiner Lebensspanne den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb umstellen und den Düngekreislauf schließen, so wie es früher war“, sagt Fried von Bernstorff. Das umfasst die Forstwirtschaft, den landwirtschaftlichen Betrieb, eine Schnapsbrennerei und die Biogasanlage.

Hier setzen die Initiatoren mit einem ihrer nächsten Projekte an: Mit der Biogasanlage macht das Schloss einen großen Schritt in Richtung dezentraler Kreislauf. Neben dem Schloss und dem landwirtschaftlichen Betrieb werden das Schwimmbad von Gartow, das Altersheim und Schulen bereits mit Energie versorgt. Grünschnitt, Klärschlämme, Gärreste – alles, was bisher von den Bauern „bestenfalls suboptimal oder gar nicht“ genutzt wird, soll nun einen Sinn bekommen.

Das wichtigste Projekt des Vereins ist aber der größte Terra-Preta-Versuch Europas, ein Forschungsprojekt, das am 1. Januar des kommenden Jahres gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung auf dem Land der ­Bernstorffs startet. Terra Preta ist portugiesisch und bedeutet wörtlich übersetzt schwarze Erde. In der Landwirtschaft bezeichnet es einen menschengemachten sehr fruchtbaren Humusboden, der ursprünglich von den Indios im Amazonasgebiet hergestellt wurde.

Die Idee von Wendepunktzukunft: Ungenutzte Reste aus der Biogasanlage der Bernstorffs oder von nachbarschaftlichen Landwirten werden unter Sauerstoffausschluss in Kohle umgewandelt. Das CO2, das bei der Verwesung sonst entstünde, wird auf diese Weise gebunden. Gleichzeitig wird die Pflanzenmasse so haltbar gemacht, und ihre chemischen Verbindungen bleiben erhalten. Anschließend wird das Ganze „zu einer Art Flüssig-Terra-Preta aufbereitet“, erklärt Albrecht von Sydow. Diese humusaufbauende Technologie sei in Zukunft „bares Geld“ wert. Denn was heute auf den industriell gemanagten Feldern passiert, wird auch auf finanzieller Ebene nicht mehr lange durchzuhalten sein. „Es hat nichts mit ökologisch-esoterischem Gutmenschentum zu tun, wenn man einem konventionellen Landwirt sagt: ‚Du, Stickstoff wird in 20 Jahren zehn Mal so teuer sein wie heute, und außerdem werden alle landwirtschaftlichen Subventionen gestrichen. Du hast auf unseren armen Böden nur dann ökonomisch eine Chance, wenn du dich von Kunstdünger unabhängig machst.‘ Viele Betriebe setzen heute Glyphosat ein, den Kernbestand von Agent Orange, das im Vietnamkrieg zur Entlaubung der Wälder verwendet wurde. „Da lebt kein Regenwurm mehr. Das ist wie eine landwirtschaftliche Petrischale.“

Argumentative Unterstützung erhält die Initiative auch von Felix zu Löwenstein. Der Vorsitzende des Verbands ökologischer Lebensmittelproduzenten legt in seinem neuen Buch „Food Crash – Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr“ mit Beispielen aus aller Welt dar, dass die konventionelle Landwirtschaft „in einem letzten großen Strohfeuer“ alles verheize, was zukünftige Generationen als Lebensgrundlage bräuchten. Er stützt sich dabei auf den Weltagrarbericht und Studien der Vereinten Nationen, die allesamt zu dem Schluss kommen, dass die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung nur mit ökologischen Agraransätzen gewährleistet werden kann.

Wendepunktzukunft hat ausgerechnet: Mit nachhaltiger Landwirtschaft könnte man mit 70 Quadratmetern einen Menschen ernähren; derzeit brauchen wir in Deutschland mit konventionellen Anbaumethoden 5000 Quadratmeter pro Person. „Terra Preta ist erneuerbare Energie für den Boden“, sagt von ­Bernstorff. Auf 30 Hektar soll das Gemisch im kommenden Jahr ausgebracht werden – und aus den schlechtesten Böden des Bernstorff’schen Betriebs fruchtbare Äcker machen.

Aber die Idee geht noch weiter. Auf dreien der 30 Hektar Versuchsacker werden kleine Gärten angelegt. Um Stadt und Land wieder enger zu verbinden, will Wendepunktzukunft saisonales Obst und Gemüse anbauen und dieses an Familien aus der Stadt verkaufen. „Wenn man es geschickt anstellt, kann man mit diesem halben Hektar acht Familien ernähren und einen Arbeitsplatz schaffen“, habe das an dem Projekt beteiligte Delinat-Institut ausgerechnet, sagt von Bernstorff. Die Familien bekämen also Gemüse vom Ackerboden ihres Vertrauens, der durch die Verwendung des Terra-Preta-Gemischs gleichzeitig einen Beitrag zur CO2-Bindung leiste und nachhaltig nutzbar bliebe.

Auf der Suche nach Mitstreitern aus der Umgebung vermeidet Fried von ­Bernstorff mittlerweile den Begriff Terra Preta: „Das hat so eine mythische Aura, dass viele Landwirte mit dem Hinweis auf zu viel Esoterik den Gebrauch zurückweisen.“ Wendepunktzukunft geht es aber gerade darum, auch die konventionellen Bauern mit ins Boot zu holen. Von Bernstorff und Co wollen keine Nischenwissenschaft betreiben, sondern träumen von einem gesellschaftlichen Umdenken.

Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht: Der Finanzsektor, die Energiewirtschaft, die Nahrungsmittelerzeugung, keines dieser Systeme ist bisher nachhaltig. Gleichzeitig kämpfen diese Branchen mit einem gravierenden Vertrauensverlust der Verbraucher, sodass der Anreiz zur Veränderung groß ist. Aus der Politik gibt es bisher noch keine Ideen, wie man den Umgang mit der Natur in Zukunft retten will. „Für die Forstwirtschaft gibt es in Deutschland gesetzliche Regelungen zur nachhaltigen Bewirtschaftung, wie das Bundeswaldgesetz oder die Landesforstgesetze. Für die Landwirtschaft oder die Industrie gelten vergleichbare Regeln bisher leider nicht“, bemängelt Andreas Schulte vom Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Das will der Thinktank aus Gartow ändern. Und dabei helfen Ort und Name mit gewaltiger Symbolik nach. Denn das Land, das der 33-jährige Fried von Bernstorff verwaltet, birgt eine ebenso umfangreiche Tradition und große Verantwortung wie der Name von Bernstorff, der spätestens seit dem Kampf gegen das Atomendlager in Gorleben eng verwoben ist mit der Sorge um die Zukunft der Natur und der Menschen im Wendland. Als dem Waldbesitzer Andreas von Bernstorff Mitte der siebziger Jahre mehrere zehn Millionen Mark geboten wurden, damit er sein Land für das Atomendlager aufgibt, lehnte der ab. Kurze Zeit später brannte der Wald. Es war Brandstiftung. Aber die Bernstorffs verkauften nicht, sie forsteten auf; inzwischen plant der Sohn einen Windpark auf dem damals umkämpften Gelände. Bis heute steht die Familie bei Demonstrationen auf der Seite der Gegner, werden Jagden just zur Zeit der Castor-Transporte abgehalten oder Bäume im Wald gefällt, die rein zufällig auf die Straße fallen und die Zufahrtswege nach Gorleben versperren.

Für die Familie der Bernstorffs hat der aktive Naturschutz mit der Liebe zum eigenen Wald begonnen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Land, das damals aus Heide, Sanddünen und Mooren bestand, mit der Aufforstung begonnen. Ähnlichen Einfluss hat der Wald in ganz Deutschland seit jeher auf seine jeweiligen Besitzer gehabt. So ist der Gedanke der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft entstanden. „Vor Hunderten von Jahren wurden in der Forstwirtschaft die ersten Regularien zur Nachhaltigkeit aufgestellt“, erklärt Andreas Schulte. „Die Idee war einfach: In jedem Jahr darf nur so viel Holz genutzt werden wie nachwächst, damit auch die zukünftigen Generationen noch etwas von den Wäldern haben. Von den Zinsen leben, nicht von der Substanz, das ist auch heute noch das Leitbild nachhaltigen Wirtschaftens im Wald.“

Heute sitzt die junge Generation um Fried von Bernstorff an der gleichen Stelle wie damals sein Vater mit seinen Mitstreitern. Wendepunktzukunft wirft die Frage auf, wie „der ländliche Raum helfen kann, die großen Krisen des 21. Jahrhunderts zu lösen“. Sie haben sich der Ernährung, der Energie und dem Klima verschrieben. Es geht ums große Ganze, um entvölkerte Landstriche, um die Abwanderung von Wirtschaftskraft. Wie schafft man es, dass „die Impulse wieder vom Land kommen“? Dass der ländliche Raum sowohl „für Unternehmer als auch für Kreative attraktiv wird“?

Bei einer Fahrt ins Wendland an einem strahlenden Oktobertag versteht der Besucher ihren Drang, dieses Land zu retten, das sie umgibt. Vorbei an sich emsig drehenden Windrädern, an Schafen, Kühen, dann und wann einem Hof und einem Pferd im sumpfigen Wiesengrund. Die Sonne steht tief, plötzlich blitzt die Elbe durch das satte Grün, in das sich schon ein herbstliches Gelb mischt. Die Elbe hat hier wenig gemein mit dem industrialisierten Fluss in Hamburg, sondern durchzieht als Aue seicht das Land.

Im Rahmen des Forschungsprojekts Terra Preta schreibt Catharena van Zyl, Vorstandsvorsitzende des Vereins Wendepunktzukunft, ihre Dissertation zum Thema „Ökosystemdienstleistung und Komplementärwährung auf Kohlenstoffbasis“. Van Zyl will herausfinden, ob in Zukunft ein Dorfbewohner, der sich um seine alte Nachbarin kümmert, dafür Bonuspunkte bekommt, mit denen er im lokalen Bioladen Brot einkaufen kann. Das Brot bliebe damit ökonomisch wettbewerbsfähig im Vergleich zum Supermarkt um die Ecke, und der Bioladen könnte den Landwirt ausreichend entlohnen, der wiederum höhere Kosten hat, weil er humusaufbauende Landwirtschaft betreibt.

Ideen wie diese haben inzwischen auch die Politiker in der Gemeinde angesteckt. Kürzlich waren sie zu einem „sehr harmonischen Ausflug in das süddeutsche Morbach, um dort gemeinsam einen vorbildlichen Energiepark anzugucken“, erzählt Albrecht von Sydow.

Wendepunktzukunft ist keine Gruppe spinnerter Ökologieesoteriker in Wollpullis. Hier sitzen Ökonomen zusammen, die Natur und Geschäft gleichzeitig im Auge haben. Es ist eine neue Generation grüner Denker, die hier die Zukunft in Angriff nehmen will. Ihre Motivation bringt Catharena van Zyl stellvertretend für ihre Mitstreiter kurz und knapp auf den Punkt: „Alle Menschen auf dem Land sollen mit einem breiten Honigkuchenpferdlächeln herumlaufen.“

WPZ Redaktion