Schlagworte: Wendland

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Wundererde aus dem Wendland?

Nun, die Wundererde wird so schnell noch nicht aus dem Wendland kommen. Wer aber ins Wendland kam, ist Ralf Hoogestraat vom NDR. Und der hat unseren Verein im Zuge des Clima Carbo Projektes ein Jahr lang begeleitet und eine wunderschöne Reportage produziert. Wir drücken an dieser Stelle dem Ralf einen herzlichen Dank aus!

Die Reportage ist noch eine Weile über die Mediathek des NDR zu finden: hier

Und auf YouTube und in anderen Foren wird schon fleißig über den Beitrag diskutiert.

WPZ Redaktion

Oya 012013

Her mit der Kohle [Oya-Artikel 01-2013]

Und dann ab damit in die Erde! Wie man Biokohle zur Verbesserung des eigenen ­Gartenbodens selbst herstellt.

von Jochen Schilk erschienen in 18/2013

Fünfzehn erwachsene Menschen stehen um zwei qualmende Blechtonnen herum, die sie mit wenigen Handgriffen zu primitiven Öfen umfunktioniert haben. Weiterlesen

WPZ Redaktion

IMO-WS-2012-3

Indigene Mikroorganismen für Landwirtschaft und Garten – Workshop 15.07.2012

Indigene Mikroorganismen. Im Zuge unserer regelmäßig unregelmäßigen Stammtische verdichtete sich das Bedürfnis, mehr über diese kleinen Tierchen zu erfahren, die aus unmittelbarer Umgebung gewonnen so viele Wunderwerke vollbringen sollen. Am 15.07. war dann auch endlich ein Termin gefunden um einige Geheimnisse rund um die kleine Welt zu lüften. Ich durfte vor 30 äußerst sympathischen wie interessierten Menschen im Gartower Kirchgarten über die Vermehrung und Verwendung indigener – also regionaler – Mikroorganismen berichten.

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Kampagnen

Erstens haben wir eine Kampagne gestartet, um Unternehmen und ihre Gewerbesteuern ins Wendland zu locken. Schließlich haben viele Unternehmen ihr Geschäftsmodell dem Atomausstieg zu verdanken – und diesen hat Deutschland wiederum uns zu verdanken! Mehr auf www.dankefuerdenatomausstieg.de.

Und zweitens wollen wir noch stärker den Fokus darauf lenken, daß das Thema Kreisfusion nicht unabhängig von Gorleben gedacht werden sollte.

Das Endlagersuchgesetz soll die unsachgemäße Standortauswahl „Gorleben“ durch ein neues Gesetz heilen. Der Neustart soll vor allem die Standortauswahl gerichtsfest machen, weil der Untersuchungsausschuss gezeigt hat, dass die bisherigen Auswahlkriterien hierfür nicht ausreichten.

Parallel soll die politische Landschaft für ein Endlager in Gorleben vorbereitet werden. Unter dem Deckmantel von Haushaltskonsolidierung soll der Landkreis Lüchow-Dannenberg als politische Einheit zerschlagen werden. Die Signale des Landes verstehe ich so: wir kriegen keine faire Chance; das was Goslar zugestanden wurde, soll uns verwehrt werden! Damit wir endlich aufhören, uns so widerborstig gegen Gorleben zu stemmen.

Eigentlich müßte man eine Kampagne machen mit dem Ziel, möglichst viele Unterschriften unter einen Appell ans Innenministerium zusammenzubekommen:

“Sehr geehrter Herr Innenminister Schünemann,

Recht auf Eigenentschuldung, kein Zwang zur Fusion! Kein Missbrauch des Zukunftsvertrages, um unliebsame Strukturen zu zerschlagen.

Und so weiter . . .

Albrecht von Sydow

Albrecht ist Mitgründer und Vorstand des Vereins Wendepunktzukunft e.V.

So geht’s

Der wendländischen Firma Winterhoff ist mit diesem Film – wie ich finde – ein echter Coup gelungen. Weg von der deprimierenden “Das Wendland stirbt aus” Stimmung hin zu einer konstruktiven “Hier geht was – und zwar stark aufwärts” Einstellung. Hier gibt’s nur den Anfang – wir machen ja keine Werbung – aber den vollen Film findet man auf youtube. Wenn man nach dem hier gezeigten Teil alle wendländischen Unternehmungen mit kurzen Bildern portraitieren würde . . . Wow, das wär ganz schön stark!

Albrecht von Sydow

Albrecht ist Mitgründer und Vorstand des Vereins Wendepunktzukunft e.V.

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“Verdurstet in der Breitbandwüste”

vorstehender Titel eines Artikels in der TAZ von heute trifft auch für viele WendländerInnen zu. Ich finde den Artikel nicht nur sehr lesenswert. Es ist auch überlegenswert, ob wir uns nicht im Wendland auf kommunaler Ebene den Bemühungen aus den Nachbargemeinden in Sachsen-Anhalt anschließen sollten.

Albrecht von Sydow

Albrecht ist Mitgründer und Vorstand des Vereins Wendepunktzukunft e.V.

Quo Vadis Wendland?

In einem offenen Brief wägt WPZ-Mitglied Albrecht von Sydow Vor- und Nachteile einer Fusion des Landkreises mit den Nachbarkreisen und zeigt Möglichkeiten auf, wie diese Fusion vermieden werden könnte. Hier findet Ihr den Brief als lesefreundlicheres PDF zum Ausdrucken: 120306 Quo Vadis Wendland – avs

Liebe Wendländerinnen und Wendländer,

der Landkreis hat 127 Millionen Euro Schulden. Das Land Niedersachsen ist bereit, drei Viertel der Schulden der Kommunen und des Kreises zu übernehmen. Dies ist ein Angebot, das nicht abgelehnt werden kann. Schuldenlast und Zinspflichten schnüren den kommunalen Verwaltungen sonst den Atem ab.

Vorraussetzung für die Entschuldung ist - entweder eine Reform der Verwaltungsstruktur, d.h. Fusionen der Samtgemeinden und/oder Fusion des Landkreises mit Lüneburg (und evtl. Uelzen), - oder es muß plausibel dargestellt werden, daß Kommunen und Landkreis künftig mit ausgeglichenem Haushalt, also ohne neue Schulden auskommen.

Wenn man sich umhört, scheint alles auf eine Fusion des Landkreises mit Lüneburg hinauszulaufen. Auch wenn die meisten Kommunalpolitiker einer solchen Entwicklung skeptisch gegenüberstehen, sieht man keinen anderen Ausweg. Das ist allen bekannt. Aber geht es hier wirklich darum, dem Landkreis und den Kommunen zu helfen? Geht es wirklich darum, die Verwaltungen sparsamer und effizienter zu machen, so daß sie bürgerfreundlicher sind?

Ich werfe mal einen sehr oberflächlichen Blick auf die Vor- und Nachteile einer Fusion auf Landkreisebene, auf die wir vermeintlich unweigerlich zusteuern.

Der einzige (für mich) erkennbare Vorteil einer Fusion wäre, daß durch die Zusammenlegung von Teilen der Verwaltung Geld gespart werden könnte. Ob das aber realistisch ist? Vielleicht erweist sich der Versuch, auf diese Weise Geld einzusparen als Schildbürgerstreich? Wir wissen, daß zentralistische Strukturen zu mehr Verwaltungsakten führen. Derzeit haben viele Kommunalpolitiker und Unternehmer Ansprechpartner in der Kreisverwaltung, zu denen ein persönliches Vertrauensverhältnis besteht. Deswegen werden Auskünfte häufig informell gegeben und Anfragen auf einem vergleichsweise kurzen Dienstweg erledigt. Wenn diese persönlichen Beziehungen wegfallen, erhöht das den bürokratischen Aufwand. Dieser Mehraufwand steht den avisierten Einsparungen entgegen und übersteigt sie vielleicht sogar.

Es gibt drei weitere Nachteile:

Erstens leben im Landkreis Lüneburg 134 Menschen pro Quadratkilometer, insgesamt 180 Tausend. In unserem aber nur 40/km2, insgesamt 50 Tausend, d.h. 22% der Bevölkerung eines mit Lüneburg fusionierten Kreises (16% eines Großkreises mit Uelzen). Wichtige Verteilungsfragen im Rahmen von Wirtschaftsförderprogrammen werden aber auf Kreisebene entschieden. Wer wäre so naiv zu glauben, daß wir von den Kuchenstücken künftig noch etwas abbekämen? Insbesondere mit dem Wissen, daß unterschiedliche Bevölkerungsdichten auch völlig unterschiedliche strukturelle Defizite und Bedürfnisse haben?

Derzeit machen Renate Ortmanns-Möller in der Kreisverwaltung und die kreiseigene Wirtschaftsförderung einen wunderbaren Job, Fördermittel ins Wendland zu holen. Wenn diese und alles, was sie leisten, wegfallen, verlieren wir sehr viel, was in unseren kommunalen Haushalten gar nicht unmittelbar auftaucht. Die Effekte ihrer Arbeit wirken sich vielleicht relativ schnell in Arbeitsplätzen, aber nur indirekt und langfristig auf steigende Gewerbesteuern etc. aus.

Zweitens verlängern sich die Anfahrtswege unzumutbar. Daß Menschen aus Schnackenburg, Holtorf, Gummern und Kapern künftig mehr als eine Stunde Autofahrt rechnen müssen, um die Kreisverwaltung zu erreichen, bzw. einen noch viel absurderen Aufwand betreiben, wenn sie auf öffentliche Verkehrsmittel zugreifen müssen, ist schlicht abartig – mir fällt kein besseres Wort dazu ein. Auf der Ebene der menschlichen Bedürfnisse lassen sich natürlich zahlreiche weitere Nachteile anführen. Wer will glauben, daß eine Lüneburger Kreisverwaltung ihre Aufgabenbereiche Sozialfürsorge, weiterführende Schulen, öffentlicher Nahverkehr, Bauwesen, Kreisstraßen etc. wirklich mit Blick auf die im Wendland völlig anders gearteten Bedingungen und Bedürfnisse ausrichtet? Muß man nicht viel eher davon ausgehen, daß sie ihr ganzes Augenmerk auf die Bedürfnisse reicher Speckgürtel-Hamburger legt, von denen unverhältnismäßig viel mehr Steuereinnahmen zu erwarten sind?

Und drittens verlieren wir unsere regionale Identität. Dafür kann man sich vielleicht nichts kaufen. Aber der politischen Identität des Wendlands verdankt Deutschland möglicherweise den Atomausstieg. Das mag abgehoben klingen, aber ich finde diesen Zusammenhang nicht abwegig. Es sind ja nicht nur die Menschen gewesen, die auf die Straße gegangen sind und protestiert haben. Sondern auch unsere Kreispolitiker aus allen politischen Lagern haben auf Landesebene in Sachen Atom- und Endlagerpolitik immer wieder gegen den Strich ihrer eigenen Parteien gebürstet.

Das Wendland war wirtschaftlich betrachtet in Niedersachsen vielleicht immer nur unbedeutender Blinddarm. Aber politisch waren wir immer ein sehr sichtbarer, ein sehr unbequemer und ein sehr widerborstiger Bremsklotz in diesem Systemgetriebe, das ohne uns in Gorleben schon lange ein Endlager für Atommüll in Betrieb genommen hätte. Und wir alle wissen, daß das Fehlen eines solchen Endlagers ein entscheidendes Argument für den Atomausstieg war.

(Randnotiz: Wenn die Wendländer als Belohnung für ihre 30jährigen Anstrengungen auch nur 1% dessen erhalten würde, was Deutschland in Folge des Atomausstiegs einspart, dann könnte sich der Kreis das Erheben von Steuern künftig sparen und die Dörfer pflastern mit Kitas, Grundschulen, Bürgerbüros und Bushaltestellen mit komfortablen Fahrplänen).

Worum geht’s bei dieser angestrebten Landkreisfusion also eigentlich? Die Nachteile für die Region sind so eindeutig, daß es offensichtlich nicht darum geht, etwas für die Menschen zu tun. Aber worum geht’s denn dann? Selbst wenn kein einzelner böser Mensch in die Haftung genommen werden kann, wird man das Gefühl nicht los, daß die herrschende (finanz-)kapitalistische Systemlogik uns als späte Strafe dafür, daß wir uns quergestellt haben, jetzt unsere regionale Identität wegnehmen will.

Ich höre schon das Gegenargument, daß die Identität der Wendländer unabhängig sei von Verwaltungsstrukturen. Aber genau das stelle ich in Frage. Natürlich wird sich das Identitätsgefühl nicht von einem Tag auf den anderen verändern. Aber nach einigen Jahren schon. Und es ist auch völlig verständlich, wenn die Menschen in Hitzacker oder Clenze sich in einem fusionierten Landkreis politisch und wirtschaftlich anders ausrichten als bisher. Schon jetzt ist es ja so, daß die Samtgemeinden nicht in allen Fragen an einem Strang ziehen. In einem fusionierten Großkreis würden sie sich in dem einen oder anderen Fall vielleicht sogar gegeneinander ausspielen lassen.

Und auch die Planvariante, die Samtgemeinden zu einer Großsamtgemeinde zu fusionieren, auf die ein Teil der Kreisverwaltungsaufgaben übertragen werden könnte, würde nur Symptome kaschieren. Der Sichtbarkeits- und Bedeutungsverlust, den die Region erleidet, wenn wir im politischen System eine Hierarchiestufe runtergeschubst werden, führt früher oder später auch zu einem Identitätsverlust. Wenn man in zehn Jahren in den Landkreis fährt, dann fährt man halt nach Lüneburg. Oder in die Peripherie von Lüneburg. Oder in die Peripherie der Peripherie. Aber nicht mehr ins Wendland.

Genug der Rummoserei. Gibt es einen Ausweg? Haben unsere gewählten kommunalen Politiker in den Samtgemeinden und im Kreis nicht alle Möglichkeiten ausgelotet? Ich kann diese Frage nicht beurteilen, aber mein Eindruck ist, daß wirklich sehr große Anstrengungen unternommen wurden, diese Fusion zu vermeiden. Und daß schlicht der Punkt erreicht ist, wo der Landrat und die anderen gewählten Vertreter keine realistische Alternative sehen.

Hier lohnt es sich vielleicht zu erwähnen, daß es sich bei dem weitaus größten Teil der Ausgaben der Samtgemeinden und des Landkreises um Pflichtaufgaben handelt. Also um Aufgaben, die gesetzlich wahrgenommen werden müssen. Hier haben die Politiker also gar keinen Handlungsspielraum. Wie sinnvoll es wäre, in unserem Landkreis am Schulwesen zu sparen, mag jeder selbst beurteilen. Eine gute Schulsituation ist aber ein Hauptargument für junge Familien, die in den Landkreis ziehen wollen. Hier darf nicht gekürzt werden. Es spricht wirklich Bände, daß nach unendlichen Sitzungen und Diskussionen die einzige gangbare, vom Landrat vorgeschlagene Möglichkeit, den Haushalt zu entlasten, darin besteht, 5 Blitzer aufzustellen.

Also, wenn man sich die verschiedenen gemachten Vorschläge anschaut, wenn man sich mit dem einen oder anderen Kommunalpolitiker unterhält, gewinnt man den Eindruck, daß hier wirklich nach bestem Wissen und Gewissen und sehr ernsthaft versucht wurde, Alternativen zu suchen. Aber daß die Handlungsmöglichkeiten der Politik schlicht ausgeschöpft sind. Und daß unser ziemlich großer Schuldenberg in Kombination mit Gesetzen, die unserer Verwaltung die Hände binden, zu einem Sachzwang führt, der in den Augen eines pragmatischen Politikers nur in eine Richtung führen kann: Fusion der Landkreise.

Aber ist das wirklich alles? Nur weil den Politikern keine anderen Handlungsalternativen offenstehen, muß das gleiche auch für uns Bürgerinnen und Bürger gelten? Werden wir jetzt alle zu Lüneburgern? Kann es wirklich sein, daß ein Defizit von 5 Millionen pro Jahr, also pro Einwohner 100€, bzw. 8€ monatlich ausreicht, um uns jeder Freiheit zu berauben, selbst darüber zu bestimmen, wie unser Bau- und Straßenwesen, wie die Schulen und die Versorgung der sozial Schwächeren verwaltet werden?

Das Wendland ist in der Lage, einmal im Jahr 20,000 Menschen beim Castor Transport mit Essen und Schlafplätzen zu versorgen. Wir sind in der Lage 20,000 Polizisten zu beschäftigen und Castor-Transportkosten von 33,5 Millionen Euro zu verursachen. Wir organisieren Sternfahrten nach Berlin, 600 Trecker beteiligen sich an Blockaden, wir haben rund um den Widerstand die kulturell bunteste und vielfältigste Region Deutschlands geschaffen. Alles freiwillig, alles grass-roots organisiert, alles ehrenamtlich, alles gemeinnützig.

Mir erscheint es geradezu abwegig, daß Menschen, die in der Lage sind, so gewaltige Leistungen für das Gemeinwohl über einen so langen Zeitraum zu erbringen, es nicht schaffen sollten, sich erfolgreich gegen diese absurde Fusion zu stemmen.

Was können wir tun? Demonstrieren hilft nicht – weil die Politiker keine andere Wahl haben. Wir müssen ins positive, ins konstruktive Handeln kommen. Hier ein paar Ideen:

1. Idee: Die Finanzinformationen, die eine bürokratische Verwaltung zur Verfügung stellt, sind unzureichend (auch wenn sie weiß Gott sehr detailliert und umfangreich sind). Ich vermute, daß es viele Menschen im Landkreis gibt, die das Schul- und Sozialwesen gerne ehrenamtlich unterstützen würden. Aber die Buchhaltung der Samtgemeinden unterscheidet meines Wissens nicht sauber genug zwischen Kostenstellen und Kostenarten. Deswegen kann man gar nicht beurteilen, an welchen Stellen durch ehrenamtliche Beiträge wie viel eingespart werden könnte. Es gibt genügend Betriebswirte und Unternehmensberater im Landkreis, um die Finanzinformationen so aufzubereiten, daß viel effektiver und mit viel spitzerem Bleistift ehrenamtliche Tätigkeiten kostensparend einbezogen werden könnten. Ich selbst wäre gerne bereit, mehrere Stunden meiner Zeit pro Woche zu spenden, wenn sich eine Gruppe von Gleichgesinnten fände, mit der man dieses Projekt in Angriff nehmen könnte.

Als Folge aus dieser Idee könnte eine Börse entstehen für Tätigkeiten, die über Hausaufgabenbetreuung und Fahrdienste bis zu Hausmeisterarbeiten in öffentlichen Gebäuden reichen, um nur einige zu nennen. Auf dieser Börse würde der öffentliche Bedarf mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern vernetzt werden.

2. Idee: Fast fünfzig Prozent des Kreishaushalts entfallen auf “Sachaufwand Soziales”. Damit sind Unterstützungsleistungen für sozial Schwächere gemeint. Wir sollten uns in den Gemeinden und einzelnen Straßen von Gemeinden zusammensetzen und ernsthaft mit unseren Nachbarn darüber sprechen und nachdenken, ob wir nicht Möglichkeiten finden, Sozialhilfeempfänger in unserer direkten Nachbarschaft in unsere Alltage zu integrieren. Ob wir es nicht schaffen, brachliegende Talente und Kompetenzen zu fördern und ihnen ökonomisch Geltung zu verschaffen. Wenn nur zehn Prozent der Sozialhilfeempfänger über solch nachbarschaftliches Engagement wirtschaftlich wieder autark würden, würde das nach meiner Rechnung alleine ausreichen, um das Defizit auszugleichen. Katharina Abelmann und Manfred Geldmacher aus Gartow haben hierzu sehr spannende Gedanken entwickelt.

Im Rahmen der Vereinsarbeit von Wendepunktzukunft planen wir, sowohl Workshops zum Thema “Community Organizing” anzubieten als auch Unterstützung bei der Organisation von Wohnzimmerparlamenten, in denen solche Themen entwickelt werden könnten.

3. Idee: Alle Kommunikation/Anträge etc. zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Verwaltung sollte online erfolgen können. Wenn sich in jedem Dorf ein oder mehrere Freiwillige finden, die einmal (oder mehrmals) im Monat ihren Computer und Hilfestellung anbieten, damit ihre Nicht-Internet affinen Nachbarn Anträge ausfüllen und stellen können, könnten sowohl für die Verwaltung als auch für Bürgerinnen und Bürger Kosten eingespart werden.

4. Idee: Die Entwickler von Infrastrukturprojekten wie Windparks könnten unterstützt werden, wenn sie einen Teil der Projekte offenen Bürger-Fonds anbieten, aus denen wiederum ein Beitrag geleistet werden könnte zum weiteren Schuldenabbau der Kommunen. Ich könnte mir vorstellen, daß Fried von Bernstorff z.B., der überlegt im Gartower Wald einen Windpark zu bauen, aufgeschlossen wäre für eine solche Idee.

Ich glaube, daß es nur an uns liegen kann, ob wir kreispolitisch autark bleiben oder nicht. Wir müssen nur laut und deutlich sagen, daß wir das wollen, und dem auch Taten folgen lassen. Jeder wie und wo er kann. So wie beim Castor.

Es gibt aber nur noch wenig Zeit (bis März 2013 muß alles in trockenen Tüchern sein). Folgende Schritte wären zu tun: 1. Schritt: Laute Überzeugungsarbeit der kommunalen Politiker, sich zwecks Entschuldung lieber für die scharfen und schmerzhaften Einsparungen zu entscheiden, als für die Fusion. 2. Schritt: Lokale Grasswurzelanstrengungen in allen Gemeinden, diese Einsparungen durch ehrenamtliche Tätigkeit zu kompensieren. Nur dann verstehen und glauben die kommunalen Politiker, daß die Selbständigkeit des Kreises eine Zukunft hat. Ich glaube sogar, daß hieraus eine Entwicklung möglich ist, die uns alle deutlich reicher macht. 3. Schritt: Bindender Vertrag zwischen den Gemeinden und dem Kreis, das künftige Neuverschuldungen ausgeschlossen werden, weil wir nie wieder in diese Situation kommen wollen.

Ich halte es für gut möglich, daß ich diesen offenen Brief in großer Naivität und Ahnungslosigkeit geschrieben habe. Ich weiß auch, daß viele Fusionsbefürworter argumentieren, daß man nur die Wahl hätte, die Fusion selbst zu gestalten, oder aber vom Land zwangsfusioniert zu werden. Wenn aber breite Teile der Bevölkerung Anstrengungen unternehmen, die Autarkie des Kreises zu erhalten, dann möchte ich den Politiker sehen, der einen Ort lebendigen Bürgerengagements zwangsweise auflöst.

Ich hoffe und es fühlt sich für mich so an, daß diese existentielle Krise des Landkreises vielleicht eine große Chance bedeuten kann. Eine Chance, daß Bürgerinnen und Bürger selbst bestimmen, welche Gemeingüter von wem und auf welcher Hierarchieebene am besten erarbeitet und beschützt werden. Daß wir uns endgültig verabschieden von der entmündigten Obrigkeitshörigkeit und selbst die Dinge so gestalten, wie sie vernünftigerweise gestaltet werden müßten.

Für eine (schulden-)freie Republik Wendland!

 

Albrecht von Sydow

Albrecht von Sydow

Albrecht ist Mitgründer und Vorstand des Vereins Wendepunktzukunft e.V.

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Terra Preta Stammtischbericht, 14. Januar 2012

Unser Terra Preta Stammtisch fand in diesem Monat nicht im Cafè Salix in Gartow statt, sondern in Vietze bei der Frau Tietze. Dankenswerterweise konnten wir auf ihre Hilfe zurückgreifen, da das Cafè Salix ausgerechnet in jener Woche Urlaub machte. Frau Tietze bewohnt einen alten Gasthof und richtete für die Stammtisch Genossinnen & Genossen den Ballsaal her, mit riesigem Tisch und ausreichend Stühlen drumrum. Außerdem gab es Gebäck, Kaffee und Erfrischungsgetränke. Als wenn das der Gaumenfreuden noch nicht genug wäre, hatte jeder noch eine kleine Köstlichkeit im Gepäck, sodass für das leibliche Wohl ausreichend gesorgt schien.

In gemütlicher Plauderrunde wurden die Erfahrungen des letzten Jahres resümiert. Es offenbarte sich ein breites Spektrum an Ergebnissen im Umgang mit Pflanzenkohle, Mikroorganismen und dem eigenen Kompost. So gab es beispielsweise Probleme mit der Handhabung der häuslichen Biobfälle mit üblen Gerüchen und Schimmel als Begleiterscheinung oder eine viel zu große Wassertonne für den Terra Preta Ansatz. Auch die Verwendung der Mikroorganismen war ein wichtiges Thema. Einige verwenden Effektive andere indigene (heimische, selbstvermehrte) Mikroorganismen. Es zeigte sich, dass die indigenen Mikroorganismen den EM’s vorgezogen werden. Vor allem, weil die Stammlösung der Effektiven Mikroorganismen meist aus japanischen Laboren kommt und diese sich nicht recht in unser Klima einfügen können. Auch gab es Unsicherheiten hinsichtlich der Menge beziehungsweise der Konzentration von Mikroorganismen. Es wurde der Wunsch geäußert, in einem Workshop die Handhabung und Vermehrung indigener Mikroorganismen zu zeigen. Diesem Wunsch werden wir in Kürze erfüllen.

Glücklicherweise gibt es auch einige Mitstreiter, die einen „grünen Daumen“ besitzen und nicht müde werden, für die vielen Hindernisse des Gärtneralltags einen Lösungsweg anzubieten. Einer dieser Mitstreiter hat seine Gartenerfahrungen bezüglich der Terra Preta Herstellung bereits unserem Terra Preta Wiki zur Verfügung gestellt. Sie können hier eingesehen werden.

Nettes beisammensitzen und plaudern füllt die praktisch orientierten Mitstreiterinnen und Mitstreiter dauerhaft nicht aus. So werden wir im April eine Exkursion Richtung Berlin unternehmen um uns von einem Garten-Experten Tips und Tricks in der Terra Preta Herstellung geben zu lassen. Des weiteren werden wir vermehrt Impulsreferate von Terra Preta Spezialisten organisieren und uns über Humus aufbauende Anbaumethoden berichten lassen.

Alles in Allem freuen wir uns auf das kommende Jahr und harren voller Ungeduld der Gartensaison um endlich wieder dem Kribbeln, Krabbeln, Summen, Schnarren, Wuchern und Wachsen beiwohnen zu können. Der nächste Stammtisch wird im Februar sein. Genaueres ist auf unserer Veranstaltungsseite zu erfahren.

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Mit den Methoden der Indios [aus Cicero]

Artikel aus dem Cicero Magazin von Marie Amrhein vom 22. November 2011 Webseite

Dieser Tage rollt der Castor-Transport durch das schöne Wendland. Das hält den jungen Grafen von Bernstorff nicht davon ab, dort mit den Methoden der Indios hochtechnologischen Ackerbau zu betreiben.

Abschätzig lässt Daniel ­Oliver Habenicht die dunkle Erde durch seine Finger rieseln. 0,9 Prozent Humus haben seine Messungen auf dem Ackerland ergeben. „Das ist der schlechteste Boden, den wir haben“, fasst Fried von Bernstorff die ernüchternde Bodenerkundung zusammen. Die beiden Männer stehen auf sandigem Untergrund. „Der hält kaum Wasser oder Nährstoffe.“ Typischer Boden für diese Gegend im Wendland, dem am dünnsten besiedelten Landstrich in Niedersachsen.

Aber das soll sich in Zukunft ändern. Und nicht nur das. Von Bernstorff und Habenicht haben ein Projekt. Gemeinsam mit Catharena van Zyl, bis vor kurzem Unternehmensberaterin in Amsterdam, und Albrecht von Sydow, Jurist und Ökonom, haben sie vor etwa einem Jahr die Initiative Wendepunktzukunft ins Leben gerufen. „Weil sich hier endlich etwas bewegen muss“, meint von Bernstorff und schaut über sein Land.

Seit kurzem ist der junge Graf Eigentümer des größten Waldes in Norddeutschland. Knapp 6000 Hektar Forst und der dazugehörige Betrieb mit 32 Angestellten unterstehen seiner Verantwortung. Der Vater, Andreas von Bernstorff, ist zwar noch im Geschäft, lässt dem Sohn aber immer mehr freie Hand. Auf dem Schloss in Gartow, dem Bernstorff’schen Familiensitz, werden derzeit große Gedanken gesponnen. Zu besichtigende Ergebnisse gibt es bisher noch nicht – außer ein paar Tonnen Erde und einer grünen Ackerfläche. Sitzt man aber mit den Initiatoren zusammen, so entsteht innerhalb von Minuten ein Netz an Ideen und konkreten Plänen. Wendepunktzukunft ist vieles: Thinktank, Open Source, Bürgergesellschaft, Forschungszentrum. Es will ländliche Regionen robust machen gegen die Abwanderung von wirtschaftlichen und sozialen Strukturen. Einer der Leitgedanken ist es, lokale Stoffkreisläufe zu schließen.

„Ich möchte in meiner Lebensspanne den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb umstellen und den Düngekreislauf schließen, so wie es früher war“, sagt Fried von Bernstorff. Das umfasst die Forstwirtschaft, den landwirtschaftlichen Betrieb, eine Schnapsbrennerei und die Biogasanlage.

Hier setzen die Initiatoren mit einem ihrer nächsten Projekte an: Mit der Biogasanlage macht das Schloss einen großen Schritt in Richtung dezentraler Kreislauf. Neben dem Schloss und dem landwirtschaftlichen Betrieb werden das Schwimmbad von Gartow, das Altersheim und Schulen bereits mit Energie versorgt. Grünschnitt, Klärschlämme, Gärreste – alles, was bisher von den Bauern „bestenfalls suboptimal oder gar nicht“ genutzt wird, soll nun einen Sinn bekommen.

Das wichtigste Projekt des Vereins ist aber der größte Terra-Preta-Versuch Europas, ein Forschungsprojekt, das am 1. Januar des kommenden Jahres gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung auf dem Land der ­Bernstorffs startet. Terra Preta ist portugiesisch und bedeutet wörtlich übersetzt schwarze Erde. In der Landwirtschaft bezeichnet es einen menschengemachten sehr fruchtbaren Humusboden, der ursprünglich von den Indios im Amazonasgebiet hergestellt wurde.

Die Idee von Wendepunktzukunft: Ungenutzte Reste aus der Biogasanlage der Bernstorffs oder von nachbarschaftlichen Landwirten werden unter Sauerstoffausschluss in Kohle umgewandelt. Das CO2, das bei der Verwesung sonst entstünde, wird auf diese Weise gebunden. Gleichzeitig wird die Pflanzenmasse so haltbar gemacht, und ihre chemischen Verbindungen bleiben erhalten. Anschließend wird das Ganze „zu einer Art Flüssig-Terra-Preta aufbereitet“, erklärt Albrecht von Sydow. Diese humusaufbauende Technologie sei in Zukunft „bares Geld“ wert. Denn was heute auf den industriell gemanagten Feldern passiert, wird auch auf finanzieller Ebene nicht mehr lange durchzuhalten sein. „Es hat nichts mit ökologisch-esoterischem Gutmenschentum zu tun, wenn man einem konventionellen Landwirt sagt: ‚Du, Stickstoff wird in 20 Jahren zehn Mal so teuer sein wie heute, und außerdem werden alle landwirtschaftlichen Subventionen gestrichen. Du hast auf unseren armen Böden nur dann ökonomisch eine Chance, wenn du dich von Kunstdünger unabhängig machst.‘ Viele Betriebe setzen heute Glyphosat ein, den Kernbestand von Agent Orange, das im Vietnamkrieg zur Entlaubung der Wälder verwendet wurde. „Da lebt kein Regenwurm mehr. Das ist wie eine landwirtschaftliche Petrischale.“

Argumentative Unterstützung erhält die Initiative auch von Felix zu Löwenstein. Der Vorsitzende des Verbands ökologischer Lebensmittelproduzenten legt in seinem neuen Buch „Food Crash – Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr“ mit Beispielen aus aller Welt dar, dass die konventionelle Landwirtschaft „in einem letzten großen Strohfeuer“ alles verheize, was zukünftige Generationen als Lebensgrundlage bräuchten. Er stützt sich dabei auf den Weltagrarbericht und Studien der Vereinten Nationen, die allesamt zu dem Schluss kommen, dass die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung nur mit ökologischen Agraransätzen gewährleistet werden kann.

Wendepunktzukunft hat ausgerechnet: Mit nachhaltiger Landwirtschaft könnte man mit 70 Quadratmetern einen Menschen ernähren; derzeit brauchen wir in Deutschland mit konventionellen Anbaumethoden 5000 Quadratmeter pro Person. „Terra Preta ist erneuerbare Energie für den Boden“, sagt von ­Bernstorff. Auf 30 Hektar soll das Gemisch im kommenden Jahr ausgebracht werden – und aus den schlechtesten Böden des Bernstorff’schen Betriebs fruchtbare Äcker machen.

Aber die Idee geht noch weiter. Auf dreien der 30 Hektar Versuchsacker werden kleine Gärten angelegt. Um Stadt und Land wieder enger zu verbinden, will Wendepunktzukunft saisonales Obst und Gemüse anbauen und dieses an Familien aus der Stadt verkaufen. „Wenn man es geschickt anstellt, kann man mit diesem halben Hektar acht Familien ernähren und einen Arbeitsplatz schaffen“, habe das an dem Projekt beteiligte Delinat-Institut ausgerechnet, sagt von Bernstorff. Die Familien bekämen also Gemüse vom Ackerboden ihres Vertrauens, der durch die Verwendung des Terra-Preta-Gemischs gleichzeitig einen Beitrag zur CO2-Bindung leiste und nachhaltig nutzbar bliebe.

Auf der Suche nach Mitstreitern aus der Umgebung vermeidet Fried von ­Bernstorff mittlerweile den Begriff Terra Preta: „Das hat so eine mythische Aura, dass viele Landwirte mit dem Hinweis auf zu viel Esoterik den Gebrauch zurückweisen.“ Wendepunktzukunft geht es aber gerade darum, auch die konventionellen Bauern mit ins Boot zu holen. Von Bernstorff und Co wollen keine Nischenwissenschaft betreiben, sondern träumen von einem gesellschaftlichen Umdenken.

Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht: Der Finanzsektor, die Energiewirtschaft, die Nahrungsmittelerzeugung, keines dieser Systeme ist bisher nachhaltig. Gleichzeitig kämpfen diese Branchen mit einem gravierenden Vertrauensverlust der Verbraucher, sodass der Anreiz zur Veränderung groß ist. Aus der Politik gibt es bisher noch keine Ideen, wie man den Umgang mit der Natur in Zukunft retten will. „Für die Forstwirtschaft gibt es in Deutschland gesetzliche Regelungen zur nachhaltigen Bewirtschaftung, wie das Bundeswaldgesetz oder die Landesforstgesetze. Für die Landwirtschaft oder die Industrie gelten vergleichbare Regeln bisher leider nicht“, bemängelt Andreas Schulte vom Institut für Landschaftsökologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Das will der Thinktank aus Gartow ändern. Und dabei helfen Ort und Name mit gewaltiger Symbolik nach. Denn das Land, das der 33-jährige Fried von Bernstorff verwaltet, birgt eine ebenso umfangreiche Tradition und große Verantwortung wie der Name von Bernstorff, der spätestens seit dem Kampf gegen das Atomendlager in Gorleben eng verwoben ist mit der Sorge um die Zukunft der Natur und der Menschen im Wendland. Als dem Waldbesitzer Andreas von Bernstorff Mitte der siebziger Jahre mehrere zehn Millionen Mark geboten wurden, damit er sein Land für das Atomendlager aufgibt, lehnte der ab. Kurze Zeit später brannte der Wald. Es war Brandstiftung. Aber die Bernstorffs verkauften nicht, sie forsteten auf; inzwischen plant der Sohn einen Windpark auf dem damals umkämpften Gelände. Bis heute steht die Familie bei Demonstrationen auf der Seite der Gegner, werden Jagden just zur Zeit der Castor-Transporte abgehalten oder Bäume im Wald gefällt, die rein zufällig auf die Straße fallen und die Zufahrtswege nach Gorleben versperren.

Für die Familie der Bernstorffs hat der aktive Naturschutz mit der Liebe zum eigenen Wald begonnen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Land, das damals aus Heide, Sanddünen und Mooren bestand, mit der Aufforstung begonnen. Ähnlichen Einfluss hat der Wald in ganz Deutschland seit jeher auf seine jeweiligen Besitzer gehabt. So ist der Gedanke der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft entstanden. „Vor Hunderten von Jahren wurden in der Forstwirtschaft die ersten Regularien zur Nachhaltigkeit aufgestellt“, erklärt Andreas Schulte. „Die Idee war einfach: In jedem Jahr darf nur so viel Holz genutzt werden wie nachwächst, damit auch die zukünftigen Generationen noch etwas von den Wäldern haben. Von den Zinsen leben, nicht von der Substanz, das ist auch heute noch das Leitbild nachhaltigen Wirtschaftens im Wald.“

Heute sitzt die junge Generation um Fried von Bernstorff an der gleichen Stelle wie damals sein Vater mit seinen Mitstreitern. Wendepunktzukunft wirft die Frage auf, wie „der ländliche Raum helfen kann, die großen Krisen des 21. Jahrhunderts zu lösen“. Sie haben sich der Ernährung, der Energie und dem Klima verschrieben. Es geht ums große Ganze, um entvölkerte Landstriche, um die Abwanderung von Wirtschaftskraft. Wie schafft man es, dass „die Impulse wieder vom Land kommen“? Dass der ländliche Raum sowohl „für Unternehmer als auch für Kreative attraktiv wird“?

Bei einer Fahrt ins Wendland an einem strahlenden Oktobertag versteht der Besucher ihren Drang, dieses Land zu retten, das sie umgibt. Vorbei an sich emsig drehenden Windrädern, an Schafen, Kühen, dann und wann einem Hof und einem Pferd im sumpfigen Wiesengrund. Die Sonne steht tief, plötzlich blitzt die Elbe durch das satte Grün, in das sich schon ein herbstliches Gelb mischt. Die Elbe hat hier wenig gemein mit dem industrialisierten Fluss in Hamburg, sondern durchzieht als Aue seicht das Land.

Im Rahmen des Forschungsprojekts Terra Preta schreibt Catharena van Zyl, Vorstandsvorsitzende des Vereins Wendepunktzukunft, ihre Dissertation zum Thema „Ökosystemdienstleistung und Komplementärwährung auf Kohlenstoffbasis“. Van Zyl will herausfinden, ob in Zukunft ein Dorfbewohner, der sich um seine alte Nachbarin kümmert, dafür Bonuspunkte bekommt, mit denen er im lokalen Bioladen Brot einkaufen kann. Das Brot bliebe damit ökonomisch wettbewerbsfähig im Vergleich zum Supermarkt um die Ecke, und der Bioladen könnte den Landwirt ausreichend entlohnen, der wiederum höhere Kosten hat, weil er humusaufbauende Landwirtschaft betreibt.

Ideen wie diese haben inzwischen auch die Politiker in der Gemeinde angesteckt. Kürzlich waren sie zu einem „sehr harmonischen Ausflug in das süddeutsche Morbach, um dort gemeinsam einen vorbildlichen Energiepark anzugucken“, erzählt Albrecht von Sydow.

Wendepunktzukunft ist keine Gruppe spinnerter Ökologieesoteriker in Wollpullis. Hier sitzen Ökonomen zusammen, die Natur und Geschäft gleichzeitig im Auge haben. Es ist eine neue Generation grüner Denker, die hier die Zukunft in Angriff nehmen will. Ihre Motivation bringt Catharena van Zyl stellvertretend für ihre Mitstreiter kurz und knapp auf den Punkt: „Alle Menschen auf dem Land sollen mit einem breiten Honigkuchenpferdlächeln herumlaufen.“

WPZ Redaktion